Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Vorgestern erhielt ich ein "Interview", das ich in der aktuellen Situation unserer Kirche sehr hilfreich fand. Die Gesprächspartner sind Frau Prof. M. Schlosser, die in Wien einen Lehrstuhl für Theologie der Spiritualität hat und Katharina von Siena (1347-1380), eine der großen Kirchenlehrerinnen.
 
Morgen tagt in Frankfurt der Synodale Weg. Ich weiß, dass viele meinen Blog als gegen diese Veranstaltung gerichtet verstehen, obwohl ich hier zum allerersten Mal den Begriff "Synodaler Weg" verwende. Es ist wohl der Inhalt meiner Texte, der diesen Eindruck nahelegt. Ich bin aber überhaupt nicht gegen Synodalität , sondern sehe ebenfalls in unserer Kirche eine Fülle von Fragen, die dringend besprochen werden müssen. Nur die Schwerpunkte, die der Synodale Weg bis jetzt setzt, machen mir Sorgen. Für die morgige Versammlung würde ich mir wünschen, dass die Synodalen das Evangelium vom letzten Sonntag intensiv meditiert haben (Lk 14,25-33), denn in ihm geht es um die Maßstäbe. Das Wichtigste scheint mir "hinter Jesus hergehen" (V.27) zu sein, denn er ist der Herr der Kirche, der bestimmt, wo es langgeht. Jede Form von Mißbrauch ist Abfall von dieser Nachfolge, an dem nicht nur die Täter schuld sind, sondern wir alle "drum herum". Darauf müssen wir mit Umkehr und Buße antworten. All das, was jetzt ans Licht gekommen ist, macht uns ganz klein und zeigt uns, wie wenig wir Katholiken diejenigen sind, die alles (besser) wissen. Aber wir haben einen, der uns führt, an ihn halten wir uns. Wenn das nicht mehr gilt, d.h. wenn nicht mehr das Wort Gottes die Norm ist, nach der in der Kirche entschieden wird, dann sind wir nur noch ein skurriler Haufen, der der Gesamtgesellschaft hinterherläuft, ohne sie jemals einzuholen.
 
In Deutschland haben wir die Ukraine fast schon vergessen; wir drehen uns hauptsächlich um unsere eigenen Sorgen und Zukunftsängste. Aber die Menschen dort werden getötet, müssen fliehen... wir dürfen sie nicht einfach vergessen.
Eine unserer Mitarbeiterinnen stammt ursprünglich aus der Ukraine und war im Sommer dort. Sie brachte uns ein Madonnenbild mit, das ganz aus winzigen Perlen besteht, von ihrer Schwägerin gestickt. Wir haben es im Kreuzgang aufgehängt und es wird, solange dieser unselige Krieg dauert, eine Kerze davor brennen, um uns an unsere leidenden Schwestern und Brüder zu erinnern. Sie brauchen unser Gebet!
 
Wenn neue Herausforderungen auf mich zukommen, habe ich oft das Gefühl schlecht vorbereitet zu sein: Ich müßte erst noch dies und das machen... mich beraten lassen, eine Ausbildung machen, drei dicke Bücher lesen. All das ist nicht falsch, aber irgendwann gilt nur noch das Wort Jesu: „Gebt ihr ihnen zu essen.“ Vertrauen, dass das Wenige, das ich geben kann, genug ist, nicht weil es wirklich genug ist, sondern weil er es segnend verwandelt.
 
Unser Glaube transzendiert unsere Sinne, unseren Verstand und unsere Gefühle. Wenn ich die Eucharistie empfange, kann ich nicht sehen, nicht schmecken, nicht beweisen, dass die Hostie mehr ist als gewöhnliches Brot. Wenn ich sie empfange, ist das noch nicht einmal unbedingt mit einer religiösen Erfahrung verbunden. Ich glaube an seine Gegenwart, aber ich fühle sie nicht, bzw. wenn ich sie fühle, ist das ein Geschenk, dass er mir nur ganz selten gibt.