Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Christlicher Glaube ist nichts, was die sich nur im Kopf abspielt, er ist nicht nur eine Überzeugung, sondern eine Verwandlung des ganzen Menschen.
Sehr deutlich wird das bei den Sakramenten, die man niemals virtuell empfangen kann, man braucht reales Wasser, Öl und Brot. Man kann nicht im Internet Eucharistie feiern. Aber dasselbe gilt auch für das Wort Gottes, es will mich hier und heute treffen und kann daher nicht in Konserven abgefüllt werden. Insofern stehe ich Youtube-Predigten sehr skeptisch gegenüber, etwas anderes sind Zoom-Veranstaltungen, bei denen zwar das „Hier“ fehlt, aber wenigstens das „Heute“ gegeben ist.
Allerdings ist die Frage einer Mitschwestern berechtigt: Was ist eigentlich bei Büchern anders, warum beurteile ich sie positiver? Ist es nur Gewöhnung an dieses Medium oder gibt es wirklich Gründe für diese Bevorzugung?
 
Vor einigen Tagen sprachen wir in der Gemeinschaft über unsere Erfahrungen mit digitalen Veranstaltungen. Viele Mitschwestern sind begeistert über die neuen Möglichkeiten der Glaubensverkündigung. Ich nutze diese Möglichkeiten auch, habe aber große Zweifel, ob sie nicht eher Verlust als Gewinn sind. Wir können in immer kürzerer Zeit immer mehr machen, weil wir keine Wege zurücklegen müssen, und (bei abgeschaltetem Bild), während wir ein Seminar besuchen, gleichzeitig essen, Gymnastik treiben und unser Zimmer putzen können. Und als Referentin kann ich unmittelbar vor und nach einem Seminar noch ganz anderen Arbeiten erledigen. Aber wo bin ich wirklich anwesend - mit Leib und Seele?
 
Das heutige Fest der Erscheinung des Herrn, das Weihnachtsfest der orthodoxen Christen, ist ein Fest des Lichtes. Christus, das Licht der Welt, ist erschienen und wir leben deshalb nicht mehr in der Finsternis. Nachdenklich gemacht hat mich ein Gebet, das wir in Mariendonk heute beten: „Der strahlende Glanz dieses Festtages möge unser Herz erleuchten, damit wir ganz auf die Finsternis dieser Welt verzichten können.“
Hier wird über die „Finsternis dieser Welt“ gesagt, dass sie höchst attraktiv ist und niemand gerne auf sie verzichtet. Nur wem Gott seine Gnade schenkt, kann diesen Verzicht leisten.
Dieses Gebet hat etwas Paradoxes, denn wenn ich es bete, habe ich schon erkannt, dass ich eigentlich zu Christus gehören will - sonst würden ich nicht so beten - aber andererseits zugeben muss, dass ich noch nicht „ganz“ auf die Finsternis der Welt verzichten kann und will. Was aber ist „Finsternis dieser Welt“? Gemeint ist wohl alles, was mich nicht näher zu Christus bringt, alles in meinem Leben, was ich ihm nicht hinhalten kann, alles, was im Letzten fruchtlos ist.
 
Der Begriff „Communio“ war im 2. Vatikanischen Konzil wichtig, um auszudrücken, was Kirche ist. Inzwischen wird manchmal vergessen, dass dieser Begriff ursprünglich zur Eucharistie gehört. Kirchengemeinschaft ist immer Eucharistiegemeinschaft.
 
Ein Jahr ist vergangen:
Manchmal scheint es, als drehe sich alles in einem endlosen Kreis.
Manchmal scheint es, als trete man auf der Stelle.
Manchmal scheint es, als sei das Leben tatsächlich nur ein Lauf in den Tod.

Aber das ist nicht alles:
Ich bin vielen Menschen begegnet und hatte gute Gespräche
Ich habe viel gelacht
Ich habe geträumt, nachgedacht und Neues gelernt
Gott kam mir immer wieder überraschend entgegen

Ein neues Jahr:
Nein, das Leben ist kein Kreis, sondern ein Strahl
Es geht vorwärts und hinauf, auch wenn ich es nicht immer spüre
Was auch passiert, mein Weg und unser aller Weg führt zum Leben und zum Licht.

Ich freue mich auf 2022