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Blog von Schwester Christiana

27. Februar 2026

Freitags in der Fastenzeit haben wir nach der Vesper eine Zeit der eucharistischen Anbetung. Als ich gestern in der Kirche kniete, wurde mir plötzlich völlig deutlich, deutlicher als jemals zuvor, dass die Gegenwart Christi in den gewandelten Gaben von Brot und Wein der Ernstfall des Glaubens ist. Die Inhalte des Glaubensbekenntnisses sind geistiger oder historischer Art, wenn ich an sie glaube, schwingt immer ein Element von Fürwahr- und Wahrscheinlichhalten mit. Wenn ich dagegen vor der Hostie knie, sagen mir meine Sinne, mein Gefühl und mein Denken, dass es nur Brot ist, einzig mein Glaube weiß, dass es Christus ist. Wäre er es nicht, wäre das, was ich tue, Götzendienst, so aber sind es Liebe, Hingabe, Verehrung, Anbetung Gottes, des Schöpfers von Himmel und Erde.

22. Februar 2026

„Versuchung“ ist ein altertümliches Wort, das wir nur noch selten verwenden. In der christlichen Tradition erklärte man, dass Versuchung und damit Sünde darin besteht, in grenzenlosem Hochmut wie Gott sein zu wollen. Das ist sicher richtig, aber es gibt auch die gegenteilige Versuchung, nämlich sich zu bescheiden und das Große, das Gott schenken will, gar nicht zu wollen, sondern mit 80 halbwegs gesunden und stressfreien Jahren zufrieden zu sein. Gott will uns sein Leben schenken („die Vergöttlichung“), aber wir sagen: „Bemüh dich nicht“ und wenden uns ab. Die Wurzel dieser Versuchung liegt darin, dass Menschen dem Wort Gottes keinen wirklichen Einfluss auf ihr Leben einräumen, d.h. die eigenen Maßstäbe nicht aus der Heiligen Schrift nehmen, sondern in dem, was sie tun, dem Mainstream zu folgen. Keiner von uns ist frei davon.

18. Februar 2026

„Fasten“ ist das alte gotische Wort für „halten“ (von gotisch „fastan“ (fest)halten, beobachten, bewachen) bzw. althochdeutsch „fest“ (fasten). Wir finden das noch im Englischen: „Fasten your seat belts“ (Schnallen Sie sich an).
In der Fastenzeit geht es darum, etwas zu halten, zu beobachten, festzuhalten. Zunächst die Gebote Gottes, deren Nichthalten den Verlust des guten Lebens, der Freiheit und der Freude nach sich zieht. Wichtiger aber als etwas halten, ist es, sich an jemand halten, nämlich an Christus. 

15. Februar 2026

Ich habe in der vergangenen Woche nichts geschrieben, weil wir unsere Jahresexerzitien hatten und in dieser Zeit gilt es zu hören, nicht selbst zu reden. Jetzt gehen wir auf die heiligen vierzig Tage der Vorbereitung auf Ostern zu, die nochmal ein andere Form der Jahresexerzitien sind. Dabei stehen für mich weder Fasten („Fastenzeit“) noch Buße („österliche Bußzeit“) im Vordergrund, sondern das Hören auf den Herrn und die Feier der Eucharistie. Tun wir das nicht sowieso jeden Tag? Ja und nein. Wirklich auf Gottes Wort zu hören und zu realisieren, was in der Eucharistie geschieht, ist so anspruchsvoll, dass es ein ganzes Leben lang neue Anläufe braucht, „bis Christus in uns Gestalt annimmt“ (Gal 4,19) und wir sagen können: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

07. Februar 2026

Das offizielle Gebet der Kirche ist das Stundengebet, das fast vollständig aus biblischen Texten besteht, vor allem aus den Psalmen. Doch dieses Gebet ist für viele Menschen - selbst viele Priester - selbst viele Ordensleute - unverständlich geworden, sie sehen darin keine Nahrung für ihre Seele und versuchen in anderen Gebets- und Meditationsformen einen Zugang zum Glauben zu finden. Ich muss das akzeptieren, fürchte aber, dass in unserer Kirche immer mehr der Glaube an den Gott, dessen Selbstoffenbarung wir in den Büchern des Alten und des Neuen Testamentes finden, verlorengeht und an seine Stelle selbstgemachte Götter oder zumindest selbstausgedachte Gottesvorstellungen treten.

05. Februar 2026

Futur II

Wenn wir
gestorben sein werden,
werden wir
gerettet worden sein.
                  (Aus: H.Körlings, Auf Abwegen. Theopoetische Texte 2025).