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Blog von Schwester Christiana

24. Oktober 2026

Heute feiern wir in Mariendonk das Fest der Weihe unserer Kirche. In der Predigt sagte der Pfarrer, dass jede Kirche in sich eine Predigt ist. Dieser Gedanke geht mir nach: Was ist die Predigt unserer Kirche? Unsere Kirche ist sehr reduziert, es gibt weiße Wände, keine Bilder, nur eine Marienstatue, oft höre ich, dass die Kirche in ihrer Bildlosigkeit eher an eine protestantische Kirche erinnert. Darauf antworte ich, dass die Kirche lebendig wird, wenn wir in ihr beten, denn das eigentliche Bild Gottes ist der  Mensch. Aber was predigt unsere Kirche, wenn niemand in ihr ist? Ich glaube in unserer Kirche ist das Kreuz die Predigt. Es ist aus schwarzem Gusseisen, also aus einem sehr schweren Material und weist schon allein durch Farbe und Material auf all das hin, was Jesus Christus für uns gelitten hat. Unser Kreuz ist ein Gemmenkreuz, es hat also keinen Corpus, sondern in der Mitte ist ein funkelnder unregelmäßiger Bergkristall, der auf das unergründliche Geheimnis Gottes hinweist. Sehr oft sitze ich in der Kirche und schaue nur auf diesen Bergkristall.

20. Oktober 2026

In den letzten Wochen haben wir in der Matutin das Buch Josua gelesen und sind jetzt beim Buch der Richter. Auf der geschichtlichen Ebene geht es um die Einwanderung der Stämme Israels nach Kanaan, durchaus mit unterschiedlicher Tendenz in beiden Büchern. Auf die heutige Zeit bezogen wäre es aber falsch, die Bücher zu aktualisieren, indem man aus ihnen das Recht Israels auf Vertreibung aller Palästinenser ableitet oder das Recht Deutschlands, alle Ausländer zur Remigration aufzufordern. Ich verstehe den Text geistlich gelesen als Auftrag, mich selbst in Besitz zu nehmen und alles, was Gott fremd ist (allen „Götzendienst“) aus meinem Leben zu verbannen. Lange nachgedacht habe ich heute morgen über Ri 1,27-36, wo gesagt wird, dass Israel keineswegs alle Kanaaniter vertreiben konnte. Dasselbe ist auch in meinem Leben der Fall: Solange ich keine Heilige bin - und ich werde es wohl nie werden - bleiben schlechte Gewohnheiten, Fehler, Sünden, die ich trotz aller Bemühungen nicht tilgen kann, so dass ich mit ihnen leben muss. In der Bibel heißt es stereotyp von den verbleibenden Kanaanitern: „Sie wurden Fronarbeiter.“ Auch ich muss das, was bleibt, in den Dienst Gottes stellen, meine Ungeduld, meinen Hochmut usw. Das ist nicht einfach, aber möglich.

18. Oktober 2026

Bei Tagungen habe ich oft das Gefühl, nicht ganz das Richtige zu tun. Einerseits möchte ich alles mitmachen, bis hin zum Umtrunk am Abend, der ja eine wichtige soziale Komponente hat, andererseits fehlt mir, wenn ich es tue, die Kraft für Gebet und Lesung, so dass ich innerlich leer werde. Das verstärkt sich in dem Maße, in dem ich älter werde, weil ich das Problem nicht mehr dadurch lösen kann, dass ich kürzer schlafe.

16. Oktober 2026

Man lernt nie aus, auch nicht in Bezug auf die deutsche Sprache. Bei einer Fahrt durch Lübeck fiel mir ein großes Schild mit der Aufschrift "Dialogannahme" ins Auge. Ein Angebot zum Gespräch? Jemand der zwischen Parteien vermittelt? Ein psychologischer Dienst? Nichts von all dem! Dialogannahmen sind in der Automobilbranche "innovative Serviceangebote, die darauf abzielen, den Kunden aktiv in den Serviceprozess einzubeziehen." Tatsächlich sah ich beim genaueren Hinschauen, dass das Schild an einem Autohaus angebracht war. Offenbar hat sich der Dialog in Deutschland in die Autohäuser verzogen.

14. Oktober 2026

In Vaticannews las ich, dass der US-Militärerzbischof Timothy Broglio nicht nur die geplante öffentliche Hinrichtung von Nidal Malik Hasan verurteilt hat, sondern auch deutlich sagte, katholische Angehörige des Militärs, die diesem Erschießungskommando zugeteilt werden, seien verpflichtet, "darum zu bitten, von dieser Aufgabe entbunden zu werden, da eine Beteiligung an einer Hinrichtung der Lehre der katholischen Kirche widerspreche." Das sind klare Worte! Was ich daran gut finde, ist, dass ein Bischof zunächst die Sache selbst verurteilt, sich dann aber an die "eigenen Leute" richtet und ihnen eine klare Hilfestellung gibt. Zu lange hatte man das Gefühl, dass unsere Kirche gar nicht mehr wagt, gut und böse zu unterscheiden, sondern alles dem Gewissen des Einzelnen überließ. Aber der einzelne Katholik, erst Recht, wenn er in eine Grenzsitutation wie es ein Erschließungskommando ist, gerät, braucht die Hilfe der Kirche, um sein Gewissen zu bilden und zu stärken.

12. Oktober 2026

Es berührt und beschämt mich, wie freundlich und entgegenkommend Menschen sind, wenn ich im Ordenskleid auf sie zukomme. Ich bin zur Zeit in Kloster Nütschau in Schlesweg-Holstein und eigentlich könnte man erwarten, dass der Anblick einer Nonne hier eher ungewöhnlich ist und Abwehr hervorruft. Aber das Gegenteil ist der Fall: Sehr nette Gespräche mit interessierten Fragen und sogar kostenlose Eintritte in Museen und evangelische Kirchen. Ich glaube, wir Ordensleute sollten möglichst immer - auch in den Ferien - im Habit unterwegs sein, die Menschen brauchen unsere Gegenwart.