Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Wir Schwestern haben keine Rentenversicherung, sondern müssen für unsere Altersvorsorge Geld anlegen. Obwohl das unter den jetzigen Bedingungen gar nicht so einfach ist, finden wir es wichtig, bei Aktien einen strengen ethischen Filter anzulegen, der u.a. Rüstungsfirmen ausschließt. Bis jetzt war das unbestritten... Aber die Welt hat sich gedreht. Wenn es das einzig Richtige ist, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen und jeder, der dem nicht voll und ganz zustimmt, als „Putinversteher“ beschimpft wird, ist ein solcher Filter eigentlich nicht zu rechtfertigen. Als Christin gerät man da schon ins Grübeln.
Es möge mich bitte niemand falsch verstehen: Ich finde den Überfall auf die Ukraine ein Verbrechen, ich meine, dass man die Ukrainer unterstützen muss, aber ich bin andererseits ebenso davon überzeugt, dass Krieg ein Übel ist und eklatant gegen  alles, was Jesus uns gelehrt hat, verstößt. Und dass Aufrüstung die Weltprobleme nicht lösen wird. Vor allem bin ich im Moment oft ratlos, was ich denken soll.
 
Früher sagte man: „Ich glaube nicht an Gott“ oder: „Ich bin Atheistin“, heute heißt es: „Spiritualität ist für mich ganz wichtig.“ Gemeint ist oft dasselbe.

 

Der Glaube ist etwas Ganzes, aus dem man nicht „dies und das“ übernehmen und anderes übergehen kann. Es ist gar nicht wichtig, dass ich alles „einsehe“, dass mich alles „überzeugt“. Wer bin ich denn, dass ich Gott beurteilen könnte? Nicht der einzelne Gläubige, sondern nur die Kirche erkennt Gott. „Denn das ist das Geheimnis der Erkenntnis Gottes: nur vom Ganzen kann der, der das Ganze schuf, erkannt werden, weil er sich nur dem Ganzen offenbart; wie soll ihn der Einzelne erkennen?“ (J. A. Möhler). Newman hat das sehr klar erkannt, wenn er Glauben und Privaturteil unterscheidet, wobei er "Privaturteil" definiert als "Gebrauch der eigenen Vernunft gegen die Autorität Gottes".
 
Ist es wirklich egal, wie wir die Gegenwart Christi in der Eucharistie verstehen, Hauptsache, wir glauben an ihn und erinnern uns an sein Tun für uns?
Als katholische Christin bin ich überzeugt, dass Christus mir in der Eucharistie mehr gibt als seine geistige Gegenwart, er gibt sich selbst. Die Hostie symbolisiert nicht den Leib Christi, sie ist der Leib Christi und der Wein symbolisiert nicht das Blut Christi, er ist das Blut Christi. Brot und Wein sind wirklich Christus, auch wenn sie nicht wie er aussehen.
Natürlich sollen wir die Kommunion im Glauben empfangen und natürlich sind die Sakramente auch dazu da, unseren Glauben zu stärken. Aber sie sind nicht relativ zu diesem Glauben. Christus ist nicht nur dann in den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig, wenn ich genug Glauben habe. Er ist objektiv gegenwärtig, unabhängig von meinem und unser aller Glauben. Das bedeutet der Ausdruck ex opere operato: Dass etwas geschieht, liegt an dem, der handelt, also am Geber, nicht am Empfänger, an Gott, nicht an mir. Nur darum ist die Eucharistie kein magischer Vorgang, sondern ein Geschenk - das größte Geschenk überhaupt.
 
Dreifaltigkeit - schwierig und auch wieder nicht. Was wird mit dieser Lehre gesagt? Eigentlich „nur“, dass Gott das nicht fehlt, was wir Menschen als die größte Vollkommenheit erkennen, nämlich die Fähigkeit zu lieben. Zur Liebe gehört Beziehung, gehört, dass es den Anderen gibt. Einen Menschen, der von sich sagt: „ich liebe“ und auf die Rückfrage „wen denn?“ antworten würde „mich selbst“ würden wir bemitleiden, aber sicher nicht für einen wahrhaft liebenden Menschen halten. Genauso fehlt einem rein monotheistisch gedachten Gott das Gegenüber der Liebe. Er müßte entweder den Menschen als Gegenüber wählen, und damit wäre sowohl die göttliche als auch die menschliche Freiheit bedroht, oder er müßte auf Liebe und damit auf wirkliche Vollkommenheit verzichten.
Die christliche Lehre von der Dreifaltigkeit behauptet nun, dass Gott in sich selbst Beziehung ist, dass es den Anderen in Gott selbst, unabhängig von der Schöpfung gibt. Diese Lehre ist nichts vom menschlicher Überlegung Gefundenes und Erdachtes, sondern Offenbarung. Kein Mensch hätte einen dreifaltigen Gott denken können, hätte sich nicht Christus als der ewige Sohn des Vaters offenbart und nach seiner Himmelfahrt den Geist gesandt. Durch diese Offenbarung haben wir erkannt, dass Gott in sich Liebe ist und nicht erst mit der Erschaffung des Menschen zum Liebenden wird.