Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Lohnend das Buch von J. Hartl „Gott ungezähmt“. Sehr einleuchtend das Bild von der Insel, auf der wir uns befinden und die ringsherum vom Meer umgeben ist, ein Bild, das mir seither nachgeht. Der Glaubende ist wie ein Fischer, der im Gegensatz zu denen, die den Inselcharakter ihres Lebens leugnen, „weiß, was er zu fürchten hat. Er weiß am besten: Jeder Kontinent ist von Wasser umgeben. Und jede Straße, fährst du nur lang genug, grenzt an den Ozean. Du kannst ihm nicht ausweichen. Du kannst Gott nicht ausweichen. Keine Chance... Er ist real. Und er ist nicht harmlos. Er ist - ungezähmt‟ (14). Ja, die Insel, auf der wir leben, ist groß und sie bietet viele Ablenkungen, so dass man das Meer lange ignorieren kann. Aber das Meer ist da und jeder muss irgendwann hinausfahren.
 
Sehr deutlich bereits in der frühen afrikanischen Kirche: Die Kirche ist in ihrem Wesen Eucharistiegemeinschaft, Gemeinschaft derer, die in der Teilhabe an Leib und Blut Jesu Christi eine Einheit bilden. Als solche steht sie unter ihrem Bischof, ja, Cyprian kann sogar sagen: “Die Kirche ist im Bischof.” Auch das Zusammensein zweier oder dreier Christen ist für ihn gebunden an die Unterordnung unter den Bischof, den nur er bürgt dafür, dass diese Begegnung im Heiligen Geist stattfindet.
Mir scheint, dass Gemeinschaft mit dem Bischof und Wissen darum, dass nur die Mitfeier der Eucharistie Gemeinschaft mit Christus schenkt, zusammengehören. Wo eins von beiden fehlt, entsteht ein Schisma. Wo eines von beiden fehlt, fehlt in Kürze auch das andere. Wer seinem Bischof die Treue aufkündigt, kann nicht mehr ehrlich die Eucharistie mitfeiern, er wird zuerst das Eucharistiegebet verändern, dann den Ritus und zum Schluss die Sache selbst aufgeben. Wem die Eucharistie „nichts mehr sagt“, braucht auch keine Hierarchie, er wird sich nach und nach einen eigenen Glauben zurechtbasteln und diesen für das eigentliche Christentum halten.
Aber Jesus hat die Bischöfe als Nachfolger der Apostel eingesetzt. Sie sollen Garanten der Weitergabe des Evangeliums sein. Wo und solange sie das sind, hat kein Gläubiger das Recht ihnen den Gehorsam zu verweigern.
 
Für Augustinus ist ein Gebäude nur deshalb eine Kirche, weil sich dort diejenigen treffen, die im eigentlichen Sinn „Kirche‟ sind.
Im Urlaub in der Schweiz sah ich in jedem winzigen Dorf, oft auch mitten in den Bergen, wo es sonst keine weiteren Gebäude gibt, kleine Kirchen oder Kapellen. Sind es wirklich Kirchen, wenn dort nie mehr Gottesdienste stattfinden? Doch sie werden liebevoll gepflegt... Vielleicht warten sie auf eine neues Volk, das wieder begreift, wie sinnlos eine Welt ohne Gott ist.
 
Papst Franziskus hat aus Sorge um die Einheit der Kirche im Motu proprio „Traditionis custodes‟ betont, dass der Ritus der Messe, wie er nach dem 2. Vatikanischen Konzil festgelegt wurde, der einzige Ritus der römisch-katholischen Kirche ist. Wie zu erwarten war, sind alle, die den außerordentlichen Ritus feiern, sehr verletzt und viele empören sich über den Papst. Wie ebenfalls zu erwarten war, triumphieren die anderen.
In Mariendonk feiern wir den normalen zugelassenen Ritus, insofern ändert sich für uns nichts. Triumphieren würde ich trotzdem nicht, auch ist es nicht meine Aufgabe, anderen gute Ratschläge zu geben, wohl aber sehe ich deutlich, dass das Dokument auch uns betrifft, die die zugelassenen Ritus feiern. Wir alle müssen umkehren und jede Gemeinde, jeder Priester muss sich fragen, ob sie zu denen gehören, die mit ihrer „kreativen‟ Art, die heilige Messe zu feiern, nicht mitschuldig geworden sind, dass andere meinen, nur noch den außerordentlichen Ritus ertragen zu können.
Es wäre gut, wenn wir als Reaktion auf das neue Motu proprio ein paar einfache Schritte gingen:
Als Gläubige könnten wir
•    wieder stärker die Ehrfurcht vor Gott zum Ausdruck bringen (Knien beim Betreten der Kirche, Schweigen in der Kirche, kein extensiver Friedensgruß)
•    darum bitten, dass die Messe nach den liturgischen Büchern gefeiert wird, weil wir Gott begegnen wollen, nicht den Einfälle des zelebrierenden Priesters, mögen diese auch noch so gut sein.
Als Priester wäre es ein Schritt den anderen entgegen, wenn wir
•    wieder häufiger den römischen Kanon verwenden (möglicherweise sogar hin uns wieder auf Latein), statt fast ausschließlich die neuen Hochgebete.
•    die Predigt als gut vorbereitete (auch exegetisch!) Homilie halten, damit die Gläubigen dem Wort Gottes begegnen, nicht den Aktualitäten des Tages.
Diese einfachen Schritte wären ein Zugehen auf die Menschen, die den alten Ritus lieben und ein Versuch, etwas zur Einheit beizutragen. Denn Papst Franziskus geht es vor allem um die Einheit der Kirche, die sich gerade auch in der Liturgie ausdrücken muss.
 

Vom 1. - 25. Juli macht dieser Blog eine Pause.