Blog von Schwester Christiana
Die Kirchenväter haben sich sehr intensiv mit den geistigen Strömungen ihrer Zeit beschäftigt. Uns sind viele Schriften erhalten, in denen sie damals populäre Häresien widerlegen. Am umfangreichsten ist vielleicht das Werk des Irenäus, Gegen die Häresien, in dem er die ihm bekannten gnostischen Lehren zunächst ausführlich darstellt und dann widerlegt. Beim Lesen fragt man sich unwillkürlich, wie Menschen solche wirren Spekulationen glauben konnten und ob es sich gelohnt hat, so viel Zeit zu opfern, um eine Gegenschrift zu verfassen. Aber die Kirchenväter waren überzeugt, dass es ihre Aufgabe war, den "Feind" zu kennen, um dann ihren Zeitgenossen mit Gründen den christlichen Glauben als die Wahrheit aufzeigen zu können. Warum ich das schreibe? Ich habe viel zu lange geglaubt, Transhumanismus, eine kommende Superintelligenz, Cyborgs u.ä. als Unfug abtun zu können, ohne mich groß damit beschäftigen zu müssen. Inzwischen sehe ich das anders und bin überzeugt, dass wir Christen den Heilsversprechungen der Gegenwart zuhören müssen, um dann aus unserem Glauben heraus fundierte Antworten geben zu können.
Die Glyptotek in Kopenhagen ist ein großes Museum für Skulpturen. Am meisten beeindruckt hat mich die ägyptische Abteilung, in der viele Exponate 5000 Jahre alt sind. Die ägyptischen Skulpturen lächeln alle, nicht spöttisch, sondern freundlich und in gewisser Weise abgeklärt, so als wollten sie sagen: "Wir wissen, wie vergänglich alles ist und wie wenig sich Hass und Streit lohnen." In der römischen Abteilung dagegen fast nur jugendliche Männerstatuen oder -köpfe, deren Blick man ansieht, dass sie bereit sind zu kämpfen. Fragt sich nur wofür.
Auf der Reise nach Schweden ein kurzer Aufenthalt bei den Liobaschwestern in Kopenhagen. Vier Benediktinerinnen und zwei ältere Trappisten leben am Rand der Stadt in einem wunderschönen Kloster. Ich bin überzeugt, dass sie in einer völlig säkularisierten Umgebung Salz und Sauerteig sind. Tatsächlich erleben sie bereits, was man auch von anderen großen Städten hört, dass plötzlich junge Menschen sich für den Glauben interessieren und getauft werden wollen.
Sehr berührt hat mich der Bericht über ein Benediktinerkloster in Haiti. Gegründet Ende der 70er Jahre, nie wirklich gewachsen, immer wieder Zusammenbrüche und Neuanfänge. Heute leben dort zwei Mönche mit Profess und zwei in der Ausbildung. Die Gemeinschaft ist fragil, Naturkatastrophen, lokale Banden können ihr jederzeit ein Ende bereiten. „Wir hängen an einem seidenen Faden, doch dieser Faden liegt in der festen und sanften Hand des Herrn.“
Spontan würde man fragen: Bringt's das, wäre es nicht sinnvoller, woanders hinzugehen, wo man etwas bewirken kann? Einer Welt, in der Effizienz alles ist, ist nur schwer zu vermitteln, dass Menschen ihr Leben hingeben, um Salz und Sauerteig zu sein, und die selbst ihr völliges Scheitern als Weg mit Christus verstehen können.
Für mich war dieser Bericht eine Quelle der Kraft, aus der ich selbst neuen Mut geschöpft habe.
Beim Lesen der Zeitung wird mir förmlich übel:
Überschrift: „Rheinmetall hofft auf ein Milliardengeschäft mit Wasserdrohnen“
Im Text: „Papperberger bekräftigte den Plan, Rheinmetall zum Weltmarktführer in der Rüstungsbranche zu machen, was in den nächsten Jahren hohe zweistellige Wachstumsraten bedeuten würde. Man sei sich aber bewusst, dass ein Zenit in den Jahren 2035 bis 2040 erreicht sein würde, sofern kein neues Bedrohungsszenario aufkommen würde. Über solche Szenarien spreche man mit Regierungen im Blick auf mögliche Vorhalte-Abkommen, aufgrund derer Staaten sich an den Fixkosten beteiligen könnten.“
Was heißt das im Klartext? Rheinmetall wird in den nächsten Jahren ungeheuer viel verdienen, indem es die ganze Welt mit Waffen beliefert (wer erlaubt das eigentlich?). Von den Gewinnenn wird die Allgemeinheit wenig haben, schließlich ist Rheinmetall keine Fürsorgeanstalt. Dumm ist nur, dass es möglicherweise in zehn Jahren keine Kriege gibt und Rheinmetall dann riesige Fabriken gebaut hat. Dieses Risiko soll der Staat, d.h. wir alle, abfedern. Scheint mir ein Schema zu sein, das es inzwischen in vielen Bereichen gibt: Gewinne gehören mir, Risiken und Verluste müssen alle tragen...
Eine ganz wesentliche Frage, die sich in jedem Leben immer wieder stellt: Soll ich kämpfen oder akzeptieren, was ist? Beides kann falsch sein, beides kann richtig sein. Bei Krankheit und im Alter wird diese Frage manchmal sehr drängend, ebenso bei menschlichen Beziehungen, letztlich sogar im Verhältnis zu mir selbst. Auch da muss ich immer neu versuchen, mich zu ändern und mich zugleich dankbar als geliebt und gewollt annehmen.
