Blog von Schwester Christiana
Es berührt und beschämt mich, wie freundlich und entgegenkommend Menschen sind, wenn ich im Ordenskleid auf sie zukomme. Ich bin zur Zeit in Kloster Nütschau in Schlesweg-Holstein und eigentlich könnte man erwarten, dass der Anblick einer Nonne hier eher ungewöhnlich ist und Abwehr hervorruft. Aber das Gegenteil ist der Fall: Sehr nette Gespräche mit interessierten Fragen und sogar kostenlose Eintritte in Museen und evangelische Kirchen. Ich glaube, wir Ordensleute sollten möglichst immer - auch in den Ferien - im Habit unterwegs sein, die Menschen brauchen unsere Gegenwart.
Die Unterscheidung zwischen richtig und falsch ist im Glauben nicht leicht, sie war es nie, auch zur Zeit der Kirchenväter nicht. Die großen Häretiker waren oft sehr fromme Leute, fest im Glauben verwurzelt und völlig überzeugt, ihm zu dienen. Das Einzige, was man ihnen vorwerfen konnte, war, nicht das Ganze zu sehen. Heute ist es ähnlich. Es gibt so vieles, was sich christlich nennt, und ich denke, viele, auch solche, die wirklich Falsches vorbringen, wollen subjektiv nichts Böses, sondern den Glauben so verkünden, dass er den Menschen heute nützt. Was hilft dagegen? Wohl nur, sich bewußt der Kirche unterstellen. Wie macht man das? Indem man nicht nur das wahrnimmt, was gegenwärtige Theologen schreiben, sondern, so weit wie möglich die ganze Tradition.
Die Internetgiganten werden reich, indem sie uns für die Krankheiten, die sie zuvor selbst erzeugt haben, die Medizin verkaufen. Das wird auch bei der künstlichen Intelligenz so sein.
„Seid fruchtbar und mehrt euch“ ist der schöpfungsgemäße Auftrag Gottes und es braucht eine besondere Berufung Gottes, um dieses Gebot nicht befolgen zu müssen. Die vielen gewollt kinderlosen Menschen in unserem Land verdunkeln das Verständnis für unsere Berufung, die oft sehr schmerzhaft sein kann, denn Kinder sind etwas Wundervolles.
Askese ist der freiwillig Verzicht auf Dinge, die ich ohne zu sündigen tun könnte. Früher ging es - vor allem in den Klöstern - um den Verzicht auf Essen, Trinken und Schlaf, um den Verzicht auf privates Eigentum, auf Sexualität, auf Selbstbestimmung, heute kommt das ständige Abholen von Nachrichten hinzu. Gestern lernte ich von einem Gast, dass man sich 90x überwinden muss, bis etwas zu einer neuen guten Gewohnheit wird.
Gelesen: Juan Ramon Jimenez, Platero und ich. Andalusische Elegie.
Eines der Bücher, die ich wohl niemals gelesen hätte, wenn ich nicht bei einem Vortrag darauf aufmerksam gemacht worden wäre. Ein zauberhaftes Buch für Menschen, die zarte Poesie lieben. Leider kann ich es nicht im Original lesen, aber die deutsche Übersetzung finde ich großartig in ihrer lautmalerischen Kraft: „Hoch droben in der grünen, ganz mit Zenitblau grundierten Kuppel sangen Zeisige, und ihr winziges, schnirkelzierliches kicherndes Girrezwitschern verschwirrte in der Goldluft des lauen Nachmittags wie ein lichter Traum von neuer Liebe.“
