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Blog von Schwester Christiana

11. Mai 2026

Gelesen: Joseph Fadelle, Das Todesurteil. Als ich Christ wurde im Irak (2015). Normalerweise lese ich solche Konversionsbücher eher nicht, egal ob jemand aus dem Kloster, dem Opus Dei oder dem Islam austritt. Aber dieses Buch hat mir eine Mitschwester empfohlen, und es hat mich wirklich beeindruckt in zweierlei Hinsicht: 1. Wie kostbar die Taufe, die Eucharistie und überhaupt der Glaube ist, wurde mir sozusagen von außen neu zugesagt. 2. Wie schwierig es ist und wie lange es dauern kann, bis man im Irak oder in Jordanien jemanden findet, der bereit ist einen ehemaligen Muslim zu taufen, war mir nicht klar. Die Christen haben Angst und wehren jede Konversion, ja schon jeden Gottesdienstbesuch oder das Lesen des Evangeliums ab. Ich kann darüber nicht urteilen, aber wenn auf der einen Seite ängstliche Christen stehen und auf der anderen Seite ein Mensch, der alles aufgibt (Familie, großen Reichtum, Sicherheit) und bereit ist, sein Leben zu riskieren, um getauft zu werden, fühlt man sich als Christ beschämt.

10. Mai 2026

Die Ökumene scheint hier problemloser zu sein als in Deutschland. In der Messe waren viele evangelische Christen, die bei der Kommunion ganz selbstverständlich nach vorne ginge und vom Priester den Segen bekamen. Genauso machen es hier auch katholische Christen, wenn sie einen evangelischen Gottesdienst besuchen. Niemand findet es hier offenbar peinlich oder entwürdigend, nicht zur Kommunion gehen zu dürfen, während es bei uns ein großes Problem ist, weil immer weniger Menschen, auch immer weniger Priester, akzeptieren, dass es keine Interkommunion gibt.

09. Mai 2026

Die Wirklichkeit in ihrer ganzen Vielfalt und Widersprüchlichkeit wahrzunehmen, ist für ein geistliches Leben entscheidend. Erfolge können Zeichen Gottes sein, durchkreuzte Pläne ebenso (vgl. Apg 16,1-10). Gott spricht ständig, aber oft hören wir ihn nur, wenn sein Wort unseren eigenen Wünschen entspricht. Doch er beruft zu Größerem als zu dem, was wir uns wünschen. Er will uns über uns selbst hinaus führen, uns vergöttlichen, das ist die Wahrheit, die wir Christen dem zeitgenössischen Transhumanismus entgegenhalten müssen. Wenn ich das schreibe, spüre ich: "Die Wahrheit wirkt arrogant heutzutage" (F. Platz). Aber ist die Wahrheit wirklich arrogant? Ich glaube, sie hat die Demut Christi. Und wenn wir sie vertreten, vertreten wir nichts, was wir "machen" können, sondern erwarten alles von Gott

08. Mai 2026

Die Kirchenväter haben sich sehr intensiv mit den geistigen Strömungen ihrer Zeit beschäftigt. Uns sind viele Schriften erhalten, in denen sie damals populäre Häresien widerlegen. Am umfangreichsten ist vielleicht das Werk des Irenäus, Gegen die Häresien, in dem er die ihm bekannten gnostischen Lehren zunächst ausführlich darstellt und dann widerlegt. Beim Lesen fragt man sich unwillkürlich, wie Menschen solche wirren Spekulationen glauben konnten und ob es sich gelohnt hat, so viel Zeit zu opfern, um eine Gegenschrift zu verfassen. Aber die Kirchenväter waren überzeugt, dass es ihre Aufgabe war, den "Feind" zu kennen, um dann ihren Zeitgenossen mit Gründen den christlichen Glauben als die Wahrheit aufzeigen zu können. Warum ich das schreibe? Ich habe viel zu lange geglaubt, Transhumanismus, eine kommende Superintelligenz, Cyborgs u.ä. als Unfug abtun zu können, ohne mich groß damit beschäftigen zu müssen. Inzwischen sehe ich das anders und bin überzeugt, dass wir Christen den Heilsversprechungen der Gegenwart zuhören müssen, um dann aus unserem Glauben heraus fundierte Antworten geben zu können.

07. Mai 2026

Die Glyptotek in Kopenhagen ist ein großes Museum für Skulpturen. Am meisten beeindruckt hat mich die ägyptische Abteilung, in der viele Exponate 5000 Jahre alt sind. Die ägyptischen Skulpturen lächeln alle, nicht spöttisch, sondern freundlich und in gewisser Weise abgeklärt, so als wollten sie sagen: "Wir wissen, wie vergänglich alles ist und wie wenig sich Hass und Streit lohnen." In der römischen Abteilung dagegen fast nur jugendliche Männerstatuen oder -köpfe, deren Blick man ansieht, dass sie bereit sind zu kämpfen. Fragt sich nur wofür.

05. Mai 2026

Auf der Reise nach Schweden ein kurzer Aufenthalt bei den Liobaschwestern in Kopenhagen. Vier Benediktinerinnen und zwei ältere Trappisten leben am Rand der Stadt in einem wunderschönen Kloster. Ich bin überzeugt, dass sie in einer völlig säkularisierten Umgebung Salz und Sauerteig sind. Tatsächlich erleben sie bereits, was man auch von anderen großen Städten hört,  dass plötzlich junge Menschen sich für den Glauben interessieren und getauft werden wollen.