Blog von Schwester Christiana
Für unsere Gemeinschaft ist die tägliche Eucharistiefeier sehr wichtig, daher sind wir den Priestern, die morgens in aller Frühe zu uns kommen, sehr dankbar und wollten diese Dankbarkeit gerne einmal mit einer Abendeinladung zeigen. Ich hatte Sr. Justina, unsere Priorin, gebeten, in der Vesper eine kurze Homilie zu halten, was eine Herausforderung war, denn die Lesung in der Vesper war Nah 1,9-2,1, ein sehr schwer verständlicher prophetischer Text. Ich fand diese Ansprache, in der es letztlich um Frieden ging, so gut, dass ich sie hier veröffentlichen möchte.
Immer wieder wird in der Bibel zur Gastfreundschaft gemahnt, z.B.:. „Seid untereinander gastfreundlich, ohne zu murren“ (1Petr 4,9). Den anderen Menschen an- und aufnehmen, selbst wenn er ungelegen kommt, darin sind wir Deutschen eher schlecht.
Eine spezielle Art der Gastfreundschaft ist die Offenheit für Kinder. Ein Kind in Liebe zur Welt zu bringen, selbst wenn man eigentlich keins wollte oder zumindest jetzt nicht oder mit dem Mann nicht, ist eine Form der Gastfreundschaft.
Letzte Woche hatten wir einen Priester zu Gast, der ursprünglich aus Gabun stammt, aber schon lange in Deutschland lebt. Er erzählte, dass es in seinem Heimatland für die Kirche nach wie vor schwierig ist, die Polygamie zu verbieten, zu fest ist sie mit der Kultur verbunden, er wird wohl noch Jahre und viel geduldiger Katechese brauchen. Hinzu käme, dass es die Menschen empört, dass der Westen gegen die Polygamie kämpft, gleichzeitig aber LGBTIQ-Rechte fordert. Für uns ist das inzwischen selbstverständlich, zumindest der Kampf gegen Verfolgung und Diskriminierung, aber ich kann verstehen, dass Menschen andere Kulturen das als neue Form des Kolonialismus empfinden.
Das Gedicht passt zu meinem vorigen Blog und gleichzeitig zum Ingeborg Bachmann-Jubiläum:
https://www.lyrikline.org/de/gedichte/alle-tage-265.
„Die Logik des Bösen meiden!“ (Papst Benedikt XVI).
„Wer Kriegsgedanken im Kopf hat, wird sie nicht mehr los“ (Franz Platz).
Es ist unendlich wichtig, dass wir Christen nicht diese Logik übernehmen und am Ende auch überzeugt sind, dass Rache, Krieg und Gewalt in dieser Welt das einzig erfolgversprechende Mittel ist. Wenn wir so denken, müssen wir konsequenterweise, Jesus für einen Träumer halten...
Neulich wurde jemand im Deutschlandfunk zitiert (wer es war, weiß ich nicht mehr), der vorschlug, statt neue Autobahnen zu bauen, erst die vorhandenen zu sanieren. Das scheint mir ein sehr vernünftiger Vorschlag zu sein und auch für Straßen, Brücken, Bahnstrecken usw. zu gelten. Im Grunde auch für jeden einzelnen: Wir haben mehr Dinge, als wir in Ordnung halten können und das zermürbt auf Dauer, ganz abgesehen davon, dass es eine nicht zu verantwortende Verschwendung von Ressourcen ist. Sogar im geistlichen Leben ist es eine heilsame Empfehlung, nicht ständig neu zu überlegen, wann, wie, wo, mit welcher Methode bete ich, sondern irgendwann, vielleicht mit Hilfe von geistlicher Begleitung, für sich eine Form zu suchen und wenn ich sie gefunden habe, erstmal dabei zu bleiben. Selbst ein Bibeltext wird für mich nicht zu dem, was er eigentlich sein soll, nämlich Offenbarung Gottes, wenn ich von einem zum anderen hüpfe.
