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Blog von Schwester Christiana

12. August 2026

Ich habe in letzter Zeit zwei interessante Bücher von Gabriel Zuchtriegel, dem Leiter der Ausgrabungsstätten von Pompeji gelesen: „Pompejis letzter Sommer“ und „Vom Zauber des Untergangs“. Beide Bücher sind sehr gut zu lesen und enthalten eine Fülle von Informationen über die Spätantike, die auch für das Christentum wichtig sind.
Obwohl ich es eigentlich wusste, hat mich, auch auf dem Hintergrund gegenwärtiger Ereignisse, die Schilderung der menschlichen Beziehungen in der Antike neu betroffen gemacht. Wirkliche Begegnung zwischen Personen gab es nur unter freien Männern, alles andere, vor allem sexuelle Beziehungen, waren Subjekt-Objekt-Beziehungen. Frauen, Kinder und unfreie Männer waren Sachen, mit denen der „Besitzer“ tun konnte, was er wollte. Eine partnerschaftliche Ehe oder eine partnerschaftliche homosexuelle Beziehung gab es nicht, sie warwn nicht einmal vorstellbar.
Spätestens ab Mitte des 20. Jhs wurde an neuen Formen der menschlichen Beziehung gearbeitet, so dass meine Generation dachte, es hätte sich viel geändert. Inzwischen zweifle ich daran: Missbrauch, fürchterliche Taten an Kindern, der Prozess von Gisèle Pelicot, Leihmutterschaft usw.
Wenn wir da raus wollen, müssen wir als Gesellschaft nicht immer liberaler werden, sondern uns um Tugend bemühen, auch wenn das schrecklich altmodisch klingt. 
Die Jugend weiß das schon zum Teil, das macht mir Hoffnung.

06. August 2026

Immer wieder macht Jesus im Evangelium Unterschiede zwischen seinen Jüngern: die zwölf Apostel und die restlichen Jünger, unter den Aposteln Petrus, der Lieblingsjünger, die Gruppe Petrus, Jakobus, Johannes. Warum bevorzugt er manche?
Doch vielleicht stimmt es gar nicht, dass Jesus ungerecht ist und manche bevorzugt, könnte es nicht sein, dass nur Petrus, Jakobus und Johannes bereit waren, ihm auf dem Berg der Verklärung zu folgen (und später in Getsemani in die Stunde seine Agonie)? Es ist naiv zu glauben, dass es nur schön und erbaulich war, mit Jesus zusammenzusein, vermutlich war es vor allem herausfordernd und letztlich überfordernd. Ist es das nicht bis heute?

02. August 2026

Die Zeitungen sind voll von Klagen darüber, was alles zu wenig ist und was zu viel:
Zu wenig: Personal, Geld, Kinder, fähige Politiker, Kitas, Regen, Rüstungsausgaben...
Zu viel: Hitzetote, Touristen, Fleischkonsum, Nichtschwimmer, sanierungsbedürftige Brücken, Insolvenzen,, Migranten...
Die Liste ist zugegebenermaßen willkürlich und wirkt skurril, die Beispiele stammen aber alle aus jüngsten Meldungen.
Jesus reagiert im heutigen Evangelium (Mt 14,13-21) anders: Was ist da? Gut, dann schauen wir mal...
Etwas davon würde unserer Gesellschaft nicht schaden, der ewige Traum vom genau richtigen Maß (das es faktisch nicht gibt), deprimiert und lähmt die Bereitschaft zum Handeln. Denn Handeln heißt mit gegebenen Ressourcen das Beste zu tun.

29. Juli 2026

„Bitte beten Sie für ...“ [es folgt eine Fülle von Anliegen. Unterschrieben ist die Bitte mit:] „Eine nicht getaufte und nicht gläubige Nachbarin.“
Das geschieht oft: Menschen bitten um unser Gebet und sagen zugleich, dass sie nicht an Gott glauben, was sicher widersprüchlich ist, aber auch nicht widersprüchlicher, als wenn Menschen sagen, dass sie glauben und trotzdem nicht beten. Der Weg jedes Einzelnen zu Gott ist lang und folgt nicht unbedingt logischen Überlegungen.

27. Juli 2026

Im Johannesevangelium ist das Bleiben eine wichtige geistliche Kategorie. Nicht die momentane Begeisterung, sondern das Bleiben bei Jesus, das Bleiben in ihm, dem wahren Weinstock, ist Voraussetzung für die Fruchtbarkeit des Lebens. Bei vielen Tendenzen in unserer Kirche, vor allem wenn sie von jungen Menschen getragen werden, frage ich mich, ob die Frömmigkeitsgeschichte eine neue, von Gottes Geist gewirkte Richtung nimmt oder ob es sich nur um eine Mode handelt. Beantworten kann ich diese Frage nicht, die Zukunft wird zeigen, was bleibt bzw. wer bleibt.

24. Juli 2026

Letzte Woche hatten wir einen Studientag zu Thomas von Aquin. Dabei habe ich etwas verstanden, was ich bisher immer schwierig fand, nämlich wie Gott unbeweglich genannt und zugleich von Schöpfung, Offenbarung und Menschwerdung gesprochen werden kann. Unbeweglichkeit klang für mich nach Starre, Stillstand, Unlebendigkeit.
An diesem Studientag wurde mir klar, dass jede Bewegung, sei sie geistig oder materiell, einen Mangel voraussetzt, denn Bewegung zielt immer auf etwas, was noch nicht ist, auf eine Möglichkeit, die erst noch verwirklicht werden soll. Gott aber ist die Fülle, in der es keine unverwirklichten Möglichkeiten gibt, er ist pulsierendes Leben, dem nichts fehlt. Das soll mit dem Begriff "Unbeweglichkeit" ausgedrückt werden, also genau das Gegenteil von Stillstand und Starre.