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Blog von Schwester Christiana

11. Oktober 2026

Die Unterscheidung zwischen richtig und falsch ist im Glauben nicht leicht, sie war es nie, auch zur Zeit der Kirchenväter nicht. Die großen Häretiker waren oft sehr fromme Leute, fest im Glauben verwurzelt und völlig überzeugt, ihm zu dienen. Das Einzige, was man ihnen vorwerfen konnte, war, nicht das Ganze zu sehen. Heute ist es ähnlich. Es gibt so vieles, was sich christlich nennt, und ich denke, viele, auch solche, die wirklich Falsches vorbringen, wollen subjektiv nichts Böses, sondern den Glauben so verkünden, dass er den Menschen heute nützt. Was hilft dagegen? Wohl nur, sich bewußt der Kirche unterstellen. Wie macht man das? Indem man nicht nur das wahrnimmt, was gegenwärtige Theologen schreiben, sondern, so weit wie möglich die ganze Tradition.

08. Oktober 2026

Die Internetgiganten werden reich, indem sie uns für die Krankheiten, die sie zuvor selbst erzeugt haben, die Medizin verkaufen. Das wird auch bei der künstlichen Intelligenz so sein.

06. Oktober 2026

„Seid fruchtbar und mehrt euch“ ist der schöpfungsgemäße Auftrag Gottes und es braucht eine besondere Berufung Gottes, um dieses Gebot nicht befolgen zu müssen. Die vielen gewollt kinderlosen Menschen in unserem Land verdunkeln das Verständnis für unsere Berufung, die oft sehr schmerzhaft sein kann, denn Kinder sind etwas Wundervolles.

04. Oktober 2026

Askese ist der freiwillig Verzicht auf Dinge, die ich ohne zu sündigen tun könnte. Früher ging es - vor allem in den Klöstern - um den Verzicht auf Essen, Trinken und Schlaf, um den Verzicht auf privates Eigentum, auf Sexualität, auf Selbstbestimmung, heute kommt das ständige Abholen von Nachrichten hinzu. Gestern lernte ich von einem Gast, dass man sich 90x überwinden muss, bis etwas zu einer neuen guten Gewohnheit wird. 

30. September 2026

Gelesen: Juan Ramon Jimenez, Platero und ich. Andalusische Elegie.
Eines der Bücher, die ich wohl niemals gelesen hätte, wenn ich nicht bei einem Vortrag darauf aufmerksam gemacht worden wäre. Ein zauberhaftes Buch für Menschen, die zarte Poesie lieben. Leider kann ich es nicht im Original lesen, aber die deutsche Übersetzung finde ich großartig in ihrer lautmalerischen Kraft: „Hoch droben in der grünen, ganz mit Zenitblau grundierten Kuppel sangen Zeisige, und ihr winziges, schnirkelzierliches kicherndes Girrezwitschern verschwirrte in der Goldluft des lauen Nachmittags wie ein lichter Traum von neuer Liebe.“

27. September 2026

Wenn ich Schmerzen habe, spüre ich sie oft nicht mehr, wenn ich sehr beschäftigt bin, z.B. in einem intensiven Gespräch. Doch im Chorgebet tauchen sie wieder auf und hindern mich an wirklicher Konzentration. Müßte das Gespräch mit Gott mich nicht mehr in Bann ziehen als jedes andere Gespräch, müßte es mich nicht so faszinieren, dass ich alles vergesse? Dass es offenbar nicht so ist, bedrückt mich einerseits, andererseits wird mir deutlich, wie anders Gott ist als wir Menschen. Gott lässt mir alle Freiheit und zwingt mich niemals zu sich hin. Daher muss die Hinwendung auf meiner Seite auch ganz frei sein und das gelingt mir nur für Minuten oder sogar nur für Sekunden. Die übrige Zeit erzwingt alles mögliche Andere meine Aufmerksamkeit.