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Blog von Schwester Christiana

08. November 2026

„Das Leben ist kurz und seine Zeit verlieren eine Sünde. Den ganzen Tag hindurch verliere ich meine Zeit, und die anderen sagen von mir, ich sei sehr aktiv. Heute ist ein Tag des Innehaltens, und mein Herz macht sich auf zur Begegnung mit sich selbst“ (Albert Camus). Ergänzen oder Ändern würde ich „... macht sich auf zur Begegnung mit dem lebendigen Gott.“

03. November 2026

Origenes schreibt im Kommentar zum Matthäusevangelium zum Gebot der Gottes- und Nächstenliebe (vgl. Mt 22,34-40): „Bei der Auslegung des Gebots von der Nächstenliebe sollte folgendes bedacht werden: Das Wort: 'Wer die Bosheit liebt, hasst seine Seele' (Ps 11,5) zeigt deutlich, dass niemand, der die Bosheit liebt, seinen Nächsten lieben kann, da er ja nicht einmal sich selbst lieben kann. Daher kann einer, der die Bosheit liebt und seine Seele hasst, das zweite Gebot nicht erfüllen.“ Ich finde das bedenkenswert: Solange wir Böses tun - und wer tut das nicht? - fehlt uns die Ganzheit. Wir stehen mit uns selbst im Widerspruch, denn wir handeln unserem eigenen Wesen zuwider, das von Gott auf ihn hin und damit auf das Gute hin, geschaffen wurde. Ob wir es wissen oder nicht, hassen wir uns selbst und das ist der Grund, warum es so wenig wirkliche Nächstenliebe  in der Welt gibt.

01. November 2026

Ich komme nicht aus einer praktizierenden katholischen Familie und konnte viele Jahre mit Allerheiligen wenig anfangen. Doch inzwischen feiere ich das Fest mit großer Freude, denn mir wurde zunehmend  weniger wichtig, was ich persönlich denke, was ich im Glauben für wahrscheinlich und vernünftig halte, viel wichtiger ist mir, zu glauben, was die Kirche glaubt. Und die Kirche ist nicht nur die jetzt lebende Kirche, sondern die Kirche aller Zeiten, zu der alle Heiligen gehören. Ohne dieses Wissen wäre es für mich schwierig, die Kirche zu lieben und meinen eigenen Glauben von ihr abhängig zu machen. 

30. Oktober 2026

Die Zeiten sind vorbei, in denen Kinder dankbar die Bibliothek, die Möbel, das gute Service oder eine lange aufgebaute Sammlung von irgendwelchen schönen Dingen erbten. Heute erlebe ich viel häufiger, dass Menschen entweder schon zu Lebzeiten erfahren müssen, dass niemand ihre Schätze will, oder dass diejenigen, die nach dem Tod ein Haus aufräumen müssen, vernehmlich seufzen, wenn sie sehen, wie viel und wie vielerlei ihre Eltern angesammelt und aufbewahrt haben. Ich glaube, wir alle müssen uns noch viel bewusster machen, dass für jeden Gegenstand, den wir kaufen, Rohstoffe verbraucht werden, und wir müssen uns immer wieder fragen: Ist es das wert, brauche ich das wirklich?

 

27. Oktober 2026

Menschen können ihre Meinung ändern, darum ist es so wichtig im Dialog zu bleiben. Zwei Beispiele haben mich in letzter Zeit beeindruckt. In der Gedenkstätte der Lübecker Märtyrer wird auch des evangelischen Pastors Karl Friedrich Stellbrink gedacht, der 1934 als Nationalsozialist nach Lübeck kam und erst nach und nach begriff, wie sehr diese Ideologie dem Christentum widerspricht. Dann aber entschied er sich für seinen Glauben und bezeugte ihn bis zum Tod. Ganz anders und doch auch ähnlich verlief der Weg Thomas Manns, der im 1. Weltkrieg in seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen“ den Krieg rechtfertigte und ein romantisches Deutschtum verteidigte, das mit Demokratie unvereinbar war. Auch antisemitische Töne konnte man in dieser Zeit von ihm hören.. Doch im Laufe der 1920er Jahre änderte er seine Meinung. Ich finde es wichtig, niemand endgültig abzuqualifizieren, dazu gehört auch, niemandem lebenslang das dumme Zeug vorzuhalten, das er oder sie möglicherweise vor vielen Jahren von sich gegeben hat.

24. Oktober 2026

Heute feiern wir in Mariendonk das Fest der Weihe unserer Kirche. In der Predigt sagte der Pfarrer, dass jede Kirche in sich eine Predigt ist. Dieser Gedanke geht mir nach: Was ist die Predigt unserer Kirche? Unsere Kirche ist sehr reduziert, es gibt weiße Wände, keine Bilder, nur eine Marienstatue, oft höre ich, dass die Kirche in ihrer Bildlosigkeit eher an eine protestantische Kirche erinnert. Darauf antworte ich, dass die Kirche lebendig wird, wenn wir in ihr beten, denn das eigentliche Bild Gottes ist der  Mensch. Aber was predigt unsere Kirche, wenn niemand in ihr ist? Ich glaube in unserer Kirche ist das Kreuz die Predigt. Es ist aus schwarzem Gusseisen, also aus einem sehr schweren Material und weist schon allein durch Farbe und Material auf all das hin, was Jesus Christus für uns gelitten hat. Unser Kreuz ist ein Gemmenkreuz, es hat also keinen Corpus, sondern in der Mitte ist ein funkelnder unregelmäßiger Bergkristall, der auf das unergründliche Geheimnis Gottes hinweist. Sehr oft sitze ich in der Kirche und schaue nur auf diesen Bergkristall.