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Blog von Schwester Christiana

28. Mai 2026

Die Vaterunserbitte "dein Wille geschehe" darf uns nicht davon abhalten zu überlegen und klar in Worte zu fassen, was wir selbst wollen. Jesus fragt einen Blinden: "Was willst du, dass ich dir tue?" Es scheint klar zu sein: ein Blinder will sehen, aber der Mann soll das selbst sagen. Jesus stülpt uns nie sein Heil einfach über, er übergeht unsere Freiheit nicht, denn erst wenn ich weiß, was ich selbst will - und oft weiß ich es nicht - kann ich Gottes fremden Willen als solchen erkennen und  annehmen. Der Psalmist sagt: " Das schmerzt und bedrückt mich, dass die Rechte des Herrn so anders handelt" (Ps 77,11). Wir dürfen und sollen um alles beten und Gott antwortet immer. Allerdings manchmal mit Nein. Das zu akzeptieren ist Glaube.

23. Mai 2026

Ständig sind wir mit Verheißungen ("die Digitalisierung wird unseren Alltag einfacher machen") und Drohungen ("jedes Glas Alkohol verkürzt das Leben") konfrontiert, wobei das nur Beispiele sind. Wenn man so alt ist wie ich, weiß man, dass sowohl Verheißungen wie Drohungen eine sehr kurze Halbwertzeit haben.

21. Mai 2026

Auf der Rückreise von Schweden, wieder mit Zwischenaufenthalt in Kopenhagen. Kurzes Gespräch mit einer jungen Frau (19), die an Pfingsten getauft wird, und mit dem Pfarrer, der sie taufen wird. Insgesamt bin ich begeistert von der freudigen Stimmung in dieser Gemeinschaft. Ich hatte gedacht eine völlig überalterte sterbende Gemeinschaft vorzufinden, in gewisser Weise stimmt das vielleicht sogar, aber gleichzeitig habe ich selten so viel Hoffnung gefunden. Hoffnung, weil immer mehr junge Menschen sich für den Glauben interessieren.

17. Mai 2026

Wandern, Radfahren und Lesen - das macht für mich Ferien aus. Aber natürlich lese ich nicht nur theologische Bücher, sondern auch Belletristik, zur Zeit von Lion Feuchtwander die Josephustrilogie. Feuchtwanger war ein Zeitgenosse  Thomas Manns. Die Josophustriologie erzählt das Leben des jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus, dier den Untergang Jerusalems 70.n. Chr. miterlebte. Das Buch umfasst 1422 Seiten (ich weiß, das ist für viele abschreckend, aber es ist nie langweilig, ganz im Gegenteil) und enthält neben viel sex and crime ca. 50 Jahre jüdische und römische Geschichte, aber auch theologische, philosophische und politsche Überlegungen. Da Feuchtwanger selbst Jude war und Deutschland nach 1933 verlassen musste, spielt auch der Antisemitismus, den es schon in der Antike gabe, eine große Rolle. 

17. Mai 2026

Im 1. Petrusbrief heisst es, dass ein Mensch, der leiden muss, weil er Christ ist, "sich nicht schämen soll". Tatsächlich neigen wir Menschen dazu, uns zu schämen, wenn wir merken, dass wir auf der Verliererseite stehen, "Opfer" ist auf deutschen Schulhöfen ein Schimpfwort. Der heilige Petrus sagt dagegen, wir sollten uns freuen, denn der Geist Gottes ruht auf uns. Ich glaube, wir schämen uns oft für die falschen Dinge, für fehlende Erfolge, für sinkende Relevanz in der Gesellschaft, manchmal sogar für unseren Glauben, der in den Ohren unserer Zeitgenossen so vormodern klingt. Wer aber schämt sich, zu wenig zu beten und zu selten in der Heiligen Schrift zu lesen?

14. Mai 2026

Im heutigen Evangelium verheißt Jesus: "Dann werdet ihr mich nichts mehr fragen" (Joh 16,23). Spontan empfinde ich das nicht als eine Verheißung, denn Suchen und Fragen bedeutet - jedenfalls in dieser Welt - Lebendigkeit. Eine Welt, die ganz Licht ist, in der alles verstehbar ist, können wir uns im Grunde nicht vorstellen.