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Blog von Schwester Christiana

24. Juni 2026

"Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird" (Mt 10,26). Ist das eine Drohung oder eine Verheißung? Vielleicht beides. Es gibt in jedem Leben, in jeder Familie, in jeder Gemeinschaft Geheimnisse, von denen man auf keinen Fall möchte, dass sie bekannt werden, weil man sie als beschämend empfindet und Angst hat, das Gesicht zu verlieren. Aber ich merke auch, wie kräftezehrend es ist, den Deckel auf dem Topf zu halten, wie sehr es bei manchen Menschen die ganze Lebenskraft aufsaugt und wie befreiend es sein kann, wenn das auf einmal nicht mehr nötig ist. Davon unabhängig ist die Tatsache, dass es völlig richtig ist, nicht jedem alles zu erzählen, Menschen, die ständig ihr Innerstes nach außen kehren, dienen selten der Wahrheit, oft machen sie sich nur wichtig.

22. Juni 2026

"Muße ist die Haltung der Nicht-Aktivität, der inneren Ungeschäftigkeit, der Ruhe, des Geschehen-Lassens, des Schweigens. 
Muße ist eine Gestalt jenes Schweigens, das eine Voraussetzung ist für das Vernehmen von Wirklichkeit: nur der Schweigende hört; und wer nicht schweigt, hört nicht. Solches Schweigen ist nicht stumpfe Lautlosigkeit, nicht totes Verstummen; es bedeutet vielmehr, dass der dem Seienden von Natur zugeordneten und ent-»sprechenden« Antwortkraft der Seele nicht ins Wort gefallen werde. 
Muße ist die Haltung des empfangenden Vernehmens, der anschauenden, kontemplativen Versenkung in das Seiende.
In der Muße ist etwas von der Heiterkeit des Nichtbegreifenkönnens, von der Anerkennung des Geheimnischarakters der Welt.
Die Muße ist nicht die Haltung dessen, der eingreift, sondern dessen, der sich öffnet; nicht dessen, der zupackt, sondern dessen, der loslässt, der sich loslässt und überlässt" (aus: Josef Pieper, Muße und Kult).

20. Juni 2026

Gestern hatten wir in der Gemeinschaft das Thema: "Wie finden wir zu mehr Muße?“ Es war ein gutes Gespräch, das mir neue Einsichten über meine Mitschwestern, aber auch über mich selbst beschert hat. Wir verwenden den Begriff „Muße“ als etwas sehr Positives, aber ich merke oft, wie schwer es mir fällt, nicht ständig zu arbeiten, nicht ständig etwas zu tun, das auf einen irgendwie gearteten Zweck gerichtet ist. Einfach nur da zu sein, sich an Gott und seiner Schöpfung zu freuen, ist unendlich sinnvoll, aber schwierig.. Wichtig und für mich hilfreich war der Beitrag einer Mitschwester, die sagte, dass Muße vermutlich immer nur mehr oder weniger erreicht wird. Darüber habe ich noch einmal nachgedacht. Muße hat es mit Zeitlosigkeit zu tun, mit Freiheit, mit Sinn, mit Fest. Insofern kann man sagen, dass es völlige Muße nur im Himmel geben wird, weil wir uns nur dort ganz öffnen und uns ganz dem kontemplativen Schauen überlassen können. Hier kann es keine völlige Muße geben, weil es kein zweckfreies Tun gibt, selbst unser Gotteslob steht nie völlig absichtslos in sich selbst.

18. Juni 2026

Ich habe wegen einer Sehnenscheidenentzündung länger nichts geschrieben. In sich wäre das kein Grund, denn ich kann Texte auch diktieren, aber jede Krankheit, jede Behinderung trifft nicht nur ein Glied des Körpers, sondern den ganzen Menschen und führt, selbst wenn es nur eine Kleinigkeit ist, zur Verzögerung aller Abläufe, sodass man sich ständig hinterher hinkt. Dann gibt es meiner Erfahrung nach zwei Möglichkeiten (nicht nur bei Krankheit, sondern auch im Alter): Entweder man ignoriert die Wirklichkeit, die einem nicht passt, ermahnt sich selbst sich nicht anzustellen, kommt sich tapfer vor, aber riskiert einen Rückfall und damit einen längeren Verlauf der Krankheit. Oder man gibt nach, schont sich und hat dabei das Gefühl, nur noch halb zu leben. Wirklich Ja zu sagen und die Realität offen anzunehmen, ist schwer.

13. Juni 2026

Am Dienstag waren wir mit der ganzen Gemeinschaft im Kunstpalast Düsseldorf in der Ausstellung „Monet – Cézanne – Matisse. The Scharf Collection“. Die Bilder zu beschreiben, versuche ich gar nicht erst, denn Bilder muss man sehen, aber wer dazu die Gelegenheit hat, sollte die Ausstellung besuchen, sie lohnt sich wirklich. Anschließend waren wir bei einem sehr guten Italiener, wo bei Gesprächen das Erlebte ausklingen konnte. Solche Tage sind wichtig für eine Gemeinschaft.
Manchmal frage ich mich nach solchen Tagen, womit ich das eigentlich verdient habe. Dabei ist das Wort „verdienen“ nicht ganz richtig bzw. trifft meine Frage nicht wirklich, denn ich weiß natürlich, dass es nicht um Verdienst geht, sondern dass alles Geschenk Gottes ist. Aber in einer Welt, in der es der Mehrzahl der Menschen aufgrund von Krieg Armut, Krankheit oder sonstigen Nöten schlecht geht, nehme ich wahr, wie ungerecht es ist, dass mein Leben so glücklich ist. Mein Leben auf der Sonnenseite des Lebens ist für mich immer wieder ein Problem und ich frage mich, ob ich genug zurückgebe und die Kraft, die mir mein privilegierter Zustand gibt, wirklich einsetze oder ob ich die Verhältnisse wie sie sind, nicht doch als selbstverständlich nehme.

06. Juni 2026

"Seid lieb zueinander!" - "Liebt einander!" - Ist da nicht ein Unterschied? (F. Platz)
Das ist eine berechtigte Frage, weil beides immer wieder verwechselt wird. Nur Liebe, die mit Wahrheit verbunden ist, ist wirkliche Liebe. Sie kann allerdings sehr schmerzhaft sein.