Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Man soll nicht aus alter Gewohnheit glauben, nicht aus Angst vor dem Tod, nicht für alle Fälle, nicht deshalb, weil uns jemand zwingt, nicht aus humanistischen Grundsätzen, nicht deshalb, um die Seele zu retten oder um originell zu sein. Man soll glauben aus dem einfachen Grund, weil es Gott gibt (Sinjawskij).
 
Es könnte einer behaupten, das Gute sei schwer zu erfüllen, da nur der Herr der Schöpfung unwandelbar ist, die menschliche Natur sich jedoch verändern kann. Wie ist es also möglich, mit einer wandelbaren Natur im Guten fest und unverrückbar zu stehen? Doch seine Wandlungsfähigkeit benutzt der Mensch keineswegs allein zum Bösen. Das Schönste, was die Wandlungsfähigkeit des Menschen vollbringen kann, ist das Wachsen im Guten... Man soll so umkehren, dass man Tag für Tag wächst, immer besser und vollkommener wird und doch nie an die letzte Spitze der Vollkommenheit gelangt. Denn das ist in Wahrheit die Vollendung, niemals stehen zu bleiben und niemals aufzuhören, auf das Gute hin zu wachsen (Gregor von Nyssa).
 
Ich bin bis zum nächsten Sonntag verreist, deshalb wird dieser Blog für eine Woche unterbrochen. Als Ersatz habe ich jeden Tag einen Text eingestellt, den ich wichtig, nachdenkenswert oder einfach schön finde.
 
„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Phil 4,4). Was hindert uns an dieser Freude? Augustinus sagt es sehr präzise: Wir sind in uns selbst verkrümmt („incurvatus in se“) und merken oft gar nicht, wie viel Grund zu Freude und Dankbarkeit es gibt.
 
Georges Bernanos sagt einmal: „Oberflächlichkeit ist der beharrlichste Widerstand (gegen Gott), im Kleinen wie im Großen.“. Was ist damit gemeint? Oberflächlichkeit Gott gegenüber bedeutet, das Viele an die Stelle des einen Notwendigen zu setzen, in die Breite zu gehen statt in die Tiefe. Dazu ein weiterer sehr ernster Text desselben Dichters:
„Den ganzen Einsatz seiner selbst leisten! Es ist kein Geheimnis, dass die meisten von uns im Leben nur einen schwachen, geringen, lächerlich kleinen Teil ihrer selbst einsetzen, wie jene reichen Geizhälse, die das Einkommen ihres Einkommens verbrauchen. Ein Heiliger lebt nicht vom Einkommen seines Einkommens, nicht einmal bloß von seinem Einkommen, er lebt von seinem Kapital, er setzt seine Seele bis zum Grund ein.... Man fragt sich mit Schrecken, ob nicht eine Unzahl von Menschen geboren werden, leben und sterben, ohne auch nur ein einziges Mal von ihrer Seele Gebrauch gemacht zu haben, und wäre es bloß, um den lieben Gott zu beleidigen?... Ist vielleicht die Verdammnis dies: zu spät, viel zu spät, nach dem Tod, eine völlig ungebrauchte Seele zu entdecken, noch sorgfältig gefaltet und doch verdorben, wie gewisse kostbare Seidenstoffe, die nie benützt worden sind? Wer immer seine Seele verwendet, so ungeschickt es auch sein mag...tritt.. sogleich in die Kommunion der Heiligen ein, zu der alle Menschen guten Willens gehören, denen der Friede verheißen ist; in die unsichtbare Kirche, zu der bekanntlich auch Heiden, Häretiker, Schismatiker und Ungläubige gehören, deren Namen Gott allein kennt.“
(leider weiß ich nicht mehr, in welchem Buch ich diese Texte fand)