Blog von Schwester Christiana
Heute mal eine Eigenwerbung. Ich habe ein neues Buch geschrieben, es ist in gewisser Weise ein "Abfallprodukt" des großen Psalmenkommentars, an dem ich zusammen mit Schwester Theresia arbeite. Ich spare mir hier die Inhaltsangabe, sie finden weitere Informationen in unserem hier.
Das Manna muss man jeden Tag neu sammeln, sonst kommen Würmer heraus (vgl. Ex 16,19f). Unser Manna ist das Wort der Bibel. Man kann Kommentare zur Bibel lesen und wenn sie gut sind, sind sie eine Hilfe, aber kein Kommentar kann mir die eigene Schriftlesung ersetzen, die unter der Frage steht: Herr, was willst du heute sagen? Und: Was willst du mir ganz persönlich sagen? So sehr ich die Kirchenväter lieben, gilt das Gesagte auch für sie. Wir müssen die Tradition der Kirche rezipieren, um in der ganzen Fülle des Katholischen zu stehen und zusammen mit den Christen aller Zeiten zu glauben, aber das ist kein Ersatz für eine eigene lebendige Beziehung zu Christus.
Auf unserer Homepage steht als ein Kriterium für eine Frau, die prüfen will, ob sie zu einem Leben in unserer Gemeinschaft berufen ist: „Freude am Leben“. Das war mir nicht bewusst und hat mich sehr berührt, ja beschäftigt mich seit Tagen. „Freude am Leben“ heißt es dort, nicht „Freude am Glauben“, was man vielleicht eher erwarten würde und was auch nicht schlecht ist, sondern „Freude am Leben“. Was bedeutet das, was gehört dazu?
Freude an der Natur
Freude am Lernen
Freude an Musik, Kunst und Literatur
Freude an Arbeit
Freude am eigenen Körper
Freude am Essen
Freude am Kontakt mit anderen Menschen...
Man könnte noch ganz viel aufzählen und ich habe bewusst zunächst nichts aufgezählt, was unmittelbar zum Glauben gehört.
Freude am Leben ist ungeheuer wichtig, denn sie ist die Voraussetzung für Dankbarkeit. Wer keine Freude am Leben hat, hat keinen Grund zu danken und damit auch keinen Grund Eucharistie zu feiern.
Aber: Auch Freude kann man üben, das nennt man im weitesten Sinn Kontemplation.
Oft erschöpft mich das Vielerlei meiner Aufgaben und ich denke, es geht anderen ähnlich. Früher hatten wir mehr Arbeit, vor allem mehr monotone Arbeit, aber wir hatten nicht so viel Verschiedenes zu erledigen, konnten es auch gar nicht, weil jede einzelne Arbeit länger dauerte. Jetzt weiß ich oft schon in der Mitte des Tages nicht mehr, was ich am Morgen getan habe, der Tag zerfällt in lauter Splitter. Die einzige Rettung, die es gibt, ist diese Splitter zusammenzufügen und sie zu einer Einheit zu machen durch das Wissen: Herr, ich tue alles für Dich. Dann sind es nicht mehr 10 Emails, drei Telefonate und 5 Gespräche, sondern nur noch der eine Dienst. Und dann wächst die Freude.
Es gibt Themen, wo Christen mit Menschen, die dem Glauben fern stehen, gut zusammenarbeiten können. Ein solches Thema ist der Naturschutz. Viele Menschen haben inzwischen ein tiefes Empfinden für die Kostbarkeit und Schönheit der Erde und sind bereit, sich für ihre Bewahrung einzusetzen. Christen sprechen in diesem Zusammenhang von Schöpfung, womit ein neuer Gedanke hinzukommt, den wir offener aussprechen sollten. Wir glauben, dass die Welt und alles, was in ihr ist (uns selbst eingeschlossen), aus Liebe entstanden ist, aus der Liebe Gottes, der wollte, dass es sei. Und dieser Gott wird die Welt bleibend in seiner Hand halten. Deshalb gibt es im Letzten keinen Grund zur Angst.
Im Moment überarbeiten wir unsere Psalmenübersetzung, wobei wir uns an vorhandenen Übersetzungen orientieren, so auch an der Einheitsübersetzung von 2016. Dort wird Ps 2,12 übersetzt: „Küsst den Sohn, damit er nicht zürnt und euer Weg sich nicht verliert“, eine ganz wörtliche Übersetzung aus dem Hebräischen, die sich in evangelischen Übersetzungen durchaus findet. Bei der älteren Einheitsübersetzung hieß es dagegen, dass das Hebräische nicht verständlich sei, weshalb man übersetzte: „Küßt ihm mit Beben die Füße, damit er nicht zürnt und euer Weg nicht in den Abgrund führt“, was wir damals in ähnlicher Weise übernommen haben. „Küßt den Sohn“ klang irgendwie merkwürdig, vor allem gab es wahrscheinlich den unausgesprochenen Verdacht, so etwas könne im Alten Testament nicht stehen und würde sehr leicht einer nicht gewünschten christologischen Auslegung Vorschub leisten. Ich hoffe, dass wir diese wörtliche Übersetzung wieder in unser Psalmengebet hineinnehmen.