Tugend
Ich habe in letzter Zeit zwei interessante Bücher von Gabriel Zuchtriegel, dem Leiter der Ausgrabungsstätten von Pompeji gelesen: „Pompejis letzter Sommer“ und „Vom Zauber des Untergangs“. Beide Bücher sind sehr gut zu lesen und enthalten eine Fülle von Informationen über die Spätantike, die auch für das Christentum wichtig sind.
Obwohl ich es eigentlich wusste, hat mich, auch auf dem Hintergrund gegenwärtiger Ereignisse, die Schilderung der menschlichen Beziehungen in der Antike neu betroffen gemacht. Wirkliche Begegnung zwischen Personen gab es nur unter freien Männern, alles andere, vor allem sexuelle Beziehungen, waren Subjekt-Objekt-Beziehungen. Frauen, Kinder und unfreie Männer waren Sachen, mit denen der „Besitzer“ tun konnte, was er wollte. Eine partnerschaftliche Ehe oder eine partnerschaftliche homosexuelle Beziehung gab es nicht, sie warwn nicht einmal vorstellbar.
Spätestens ab Mitte des 20. Jhs wurde an neuen Formen der menschlichen Beziehung gearbeitet, so dass meine Generation dachte, es hätte sich viel geändert. Inzwischen zweifle ich daran: Missbrauch, fürchterliche Taten an Kindern, der Prozess von Gisèle Pelicot, Leihmutterschaft usw.
Wenn wir da raus wollen, müssen wir als Gesellschaft nicht immer liberaler werden, sondern uns um Tugend bemühen, auch wenn das schrecklich altmodisch klingt.
Die Jugend weiß das schon zum Teil, das macht mir Hoffnung.
