Jesus schnaubte
Es gibt nichts, was Gott so entgegengesetzt, ja feindlich, ist wie der Tod, denn Gott ist das Leben. Und er ist die unbedingte Liebe, die anzuzweifeln ein Sakrileg ist. Von daher ist es verständlich, dass Jesu beim Tod des Lazarus nicht nur traurig ist, sondern wütend ist, er „ergrimmte im Geist“ oder noch plastischer „er schnaubte im Geist“. Einerseits angesichts des Todes, den „Gott nicht gemacht hat“ (Weish 1,13) und andererseits angesichts der Zweifel an seiner liebenden Gegenwart: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben“ (Joh 11,31) und: „Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?“ (Joh 11,37). Dahinter steht die Frage: Wenn es Gott wirklich gibt und er uns liebt, könnte er dann nicht verhindern, dass....?“ Doch der Tod kam nicht durch Gott in die Welt, sondern durch den Menschen. Gott greift nicht unsere Freiheit übergehend von oben her ein, sondern er geht mit uns und bietet uns eine Nachfolge an, die durch den Tod hindurch zum Leben führt. Alles Leid der Welt ist kein Beweis, dass Gott nicht da ist oder dass er uns nicht liebt, wohl aber erschreckendes Zeichen unserer Uneinsichtigkeit, unseres Nicht-Wollens.
