1 Kön 13
In unserer Gemeinschaft lesen wir in einer Lectio continua die ganze Heilige Schrift. Sehr verstörend finde ich die Geschichte, die in 1Kön 13 erzählt wird. Ein Mensch („ein Gottesmann“) bekommt von Gott einen Auftrag und erfüllt ihn auch gegen Widerstände und Versuchungen. Dann kommt ein Prophet und teilt ihm einen neuen Auftrag Gottes mit, der dem ersten widerspricht. Als der Mensch diesem zweiten Auftrag gehorcht, wird er mit dem Tod bestraft, weil er dem Gebot Gottes nicht gehorcht hat.
Warum war es falsch, dem zweiten Auftrag zu gehorchen? Kann Gott nicht neue, andere Aufträge geben? Ist denn die Haltung derer richtig, die starr an etwas festhalten, selbst wenn sich die Situation geändert hat?
Beim Nachdenken über diesen Text und damit über Gottes Auftrag, sei es an die Kirche insgesamt, sei es in meinem persönlichen Leben scheint mir eines wichtig: Gottes Wort ist immer neu, oft auch anders und fremd, aber er befiehlt niemals das Gegenteil von dem, was er früher wollte. Es kann sein, dass ich früher etwas Falsches für seinen Willen gehalten habe, dann muss ich umkehren, aber dieser Fall ist in 1Kön 13 gerade nicht vorausgesetzt. Wenn ich wirklich seinen Willen erkannt habe, sei es auch nur anfanghaft, dann wird mich alles, was er später sagt, weiterführen, niemals aber wird Gott mir etwas auftragen und dann das Gegenteil von mir verlangen. Das hätte der Gottesmann in 1Kön 13 wissen müssen. Darin liegt seine Schuld.