Mein Blog vom 22.6. hat Rückfragen ausgelöst, vor allem die Frage, wie reflektiert mein Bibelverständnis ist bzw. ob ich wirklich glaube, dass ein wörtliches Verständnis der Bibel das einzig richtige ist. Nein, das glaube ich nicht, trotzdem werde ich den Eintrag nicht löschen, denn es ging mir nicht um Hermeneutik, sondern um die Frage, wer in meinem Leben bestimmt, Gott oder ich selbst.
Ich bin der Überzeugung, dass die Schrift Gotteswort in Menschenwort ist und dass man nur, wenn man Sprache und Kultur, in der die biblischen Texte entstanden, gut kennt, versteht, was mit ihnen gemeint ist. Beim Lesen der Bibel braucht es Interpretation und Bilder müssen als solche erkannt werden, aber ebenso wichtig ist, dass mit dem Bild nicht die gemeinte Sache verschwindet.
Ich stelle ich mir immer wieder die Frage, ob ich mir die Bibel nicht ständig passend mache, ob ich den Anspruch der Texte wirklich noch höre, auch da, wo er mir gegen den Strich geht. Die Unterordnung der Frau unter den Mann war nur ein besonders provokantes Beispiel, man könnte auch den Zorn Gottes nennen, vieles aus der Bergpredigt oder, damit klar wird, dass ich nicht andere meine, sondern durchaus mich selbst, die Frage, ob Gott wirklich Klöster wollte.
Immer wieder ertappe ich mich dabei zu meinen, nur weil ich etwas tue, müsse es ja wohl richtig sein, richtig auch vor Gott. Das könnte ein Irrtum sein! Und außerdem: Wenn Gottes Wort nur noch bestätigt und tröstet, nicht mehr irritiert, ärgert, richtet und zur Umkehr mahnt, ist es im Grunde überflüssig.