Meinung ändern
Menschen können ihre Meinung ändern, darum ist es so wichtig im Dialog zu bleiben. Zwei Beispiele haben mich in letzter Zeit beeindruckt. In der Gedenkstätte der Lübecker Märtyrer wird auch des evangelischen Pastors Karl Friedrich Stellbrink gedacht, der 1934 als Nationalsozialist nach Lübeck kam und erst nach und nach begriff, wie sehr diese Ideologie dem Christentum widerspricht. Dann aber entschied er sich für seinen Glauben und bezeugte ihn bis zum Tod. Ganz anders und doch auch ähnlich verlief der Weg Thomas Manns, der im 1. Weltkrieg in seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen“ den Krieg rechtfertigte und ein romantisches Deutschtum verteidigte, das mit Demokratie unvereinbar war. Auch antisemitische Töne konnte man in dieser Zeit von ihm hören.. Doch im Laufe der 1920er Jahre änderte er seine Meinung. Ich finde es wichtig, niemand endgültig abzuqualifizieren, dazu gehört auch, niemandem lebenslang das dumme Zeug vorzuhalten, das er oder sie möglicherweise vor vielen Jahren von sich gegeben hat.
