Josua und Richter
In den letzten Wochen haben wir in der Matutin das Buch Josua gelesen und sind jetzt beim Buch der Richter. Auf der geschichtlichen Ebene geht es um die Einwanderung der Stämme Israels nach Kanaan, durchaus mit unterschiedlicher Tendenz in beiden Büchern. Auf die heutige Zeit bezogen wäre es aber falsch, die Bücher zu aktualisieren, indem man aus ihnen das Recht Israels auf Vertreibung aller Palästinenser ableitet oder das Recht Deutschlands, alle Ausländer zur Remigration aufzufordern. Ich verstehe den Text geistlich gelesen als Auftrag, mich selbst in Besitz zu nehmen und alles, was Gott fremd ist (allen „Götzendienst“) aus meinem Leben zu verbannen. Lange nachgedacht habe ich heute morgen über Ri 1,27-36, wo gesagt wird, dass Israel keineswegs alle Kanaaniter vertreiben konnte. Dasselbe ist auch in meinem Leben der Fall: Solange ich keine Heilige bin - und ich werde es wohl nie werden - bleiben schlechte Gewohnheiten, Fehler, Sünden, die ich trotz aller Bemühungen nicht tilgen kann, so dass ich mit ihnen leben muss. In der Bibel heißt es stereotyp von den verbleibenden Kanaanitern: „Sie wurden Fronarbeiter.“ Auch ich muss das, was bleibt, in den Dienst Gottes stellen, meine Ungeduld, meinen Hochmut usw. Das ist nicht einfach, aber möglich.
