Herzlich Willkommen!

Wir freuen uns, dass Sie unsere Homepage besuchen. Sie finden hier Informationen über unsere Gemeinschaft, über unseren Gottesdienst und über die Art und Weise, wie wir unseren Glauben leben.

Aktuelles

Tagebuch (13)        
„Der Gott allen Trostes“ (vgl. 2 Kor 1,1-5). Gibt es einen schöneren Gottesnamen? Getröstet zu werden, um auch andere trösten zu können, das ist christliches Leben. Es gibt so viel Not, gerade auch jetzt, diese Erde ist ein Ort, an dem viel Leid herrscht. Wir brauchen Trost, und diesen Trost können wir uns nicht selbst geben, wir stehen oft mit leeren Händen und leeren Herzen da. Herr, tröste uns! Wir bitten nicht um die Beseitigung allen Leids, denn wir verdienen es oftmals, aber wir bitten um deinen Trost.
Gestern hatten wir in unserer Gemeinschaft den jährlichen Wirtschaftsbericht unserer Cellerarin. Das letzte Jahr ist gut verlaufen, wir haben durch eigene Arbeit und Spenden genug gehabt, um alles Nötige finanzieren zu können. Aber natürlich war in der anschließenden Diskussion die Hauptfrage, wie es weitergehen wird, vor allem, ob und wie lange wir unsere Angestellten, die auf das Geld, das sie bei uns verdienen, angewiesen sind, noch ohne Kurzarbeit halten können. Ich hoffe dringend, dass die Krise nicht Monate dauert.
 
Tagebuch (12)
Im Moment beeilen sich evangelische und katholische Theologen, die Vorstellung, die Pandemie sei eine Strafe Gottes, als zynisch zurückzuweisen. Sicher ist es vermessen und falsch, wenn Menschen in der jetzigen Situation den Zeigefinger erheben und genau zu wissen meinen, für welche Sünden (meistens ihrer Mitmenschen!) hier die Rechnung präsentiert wird. Im Evangelium finden wir mehrfach die Aussage Jesu (Lk 13,1-5; Joh 9,1-3), dass dieser Zusammenhang von uns nicht hergestellt werden darf, weil wir das Wirken Gottes in dieser Welt nicht durchschauen.
Wohl aber kann ein Unglück wie diese Pandemie ein Anlass sein nachzudenken, umzukehren und neu zu glauben. Wir können nicht sagen, für welche Sünden in der Vergangenheit die Pandemie eine Strafe ist, wohl aber sollte sie für uns ein Anstoß sein uns zu fragen, wohin wir in Zukunft gehen wollen. Wenn das geschieht, wäre sie zu unserem Heil und vielleicht irgendwann sogar ein Grund zur Dankbarkeit.
Schon jetzt gibt es auch viel Gutes: 75 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs nehmen deutsche Kliniken französische Patienten auf, weil hier noch Beatmungsplätze frei sind; in Dresden werden italienische Patienten eingeflogen; chinesische Teams reisen in andere Länder, um ihre Kollegen zu unterstützen und ihre Erfahrungen weiterzugeben. Globalisierung mag mit zu den Ursachen der Pandemie zählen, doch es gibt sie auch im Positiven: einstige Feinde teilen Beatmungsplätze auf Intensivstationen.
 
Tagebuch (11)
In seiner Autobiografie beschreibt der kongolesische Arzt und Friedensnobelpreisträger von 2018, Dr. Denis Mukwege,wie er wenige Tage vor einem Kriegsausbruch noch den Grundstein für ein neues Krankenhaus legte. Der erneute Ausbruch von Gewalt in einem von Krisen und Gewalt geplagten Land war abzusehen und Dr. Mukwege hatte schon viele Rückschläge, Zerstörungen seiner Arbeit und auch Bedrohungen erlebt. Und doch setzte er alles daran, dieses Hoffnungszeichen zu setzen. Denn er wusste, dass die Menschen mehr als alles andere die Hoffnung brauchen, dass es wieder besser wird.
Wie wäre es, wenn wir, wenn die von uns, die nicht an der vordersten Front im Kampf gegen den Virus stehen müssen (z.B. weil sie zu der Risikogruppe gehören), jeden Tag ein Hoffnungszeichen setzen? Nicht jeder wird ein Krankenhaus bauen, aber jeder kann ein kleines „Haus der Hoffnung“ bauen, das auch anderen Mut macht. Das kann ein Wort sein, ein Hilfsangebot oder auch nur ein Lächeln.
 
Tagebuch (10)
Zu Beginn der neuen Woche einfach einmal etwas Schönes, ein Gedicht und einen Vorschlag.

Worte
Es gibt Situationen im Leben,
in denen wir uns einfach
dem Strom der Ereignisse überlassen sollten,
als hätten wir nicht die Kraft,
uns ihm zu widersetzen,
und plötzlich erkennen wir,
dass der Fluss
sich auf unsere Seite geschlagen hat,
niemand sonst hat es bemerkt, nur wir,
wer uns sieht, wird meinen,
wir seien kurz vor dem Kentern,
und nie sind wir sicherer gesegelt.          (José Saramago)

Man kann zur Zeit nichts unternehmen, nirgends hingehen. Aber es gibt die Möglichkeit, durch viele bedeutende Museen der Welt virtuelle Rundgänge zu machen. Dabei sind alle möglichen Tricks eingebaut: drehen, wenden, vergrößern, Details der Bilder näher heranholen, während in den realen Museen der Aufseher schon misstrauisch guckt, wenn man sich einem Bild zu sehr nähert. Beispiel: Rijksmuseum Amsterdam oder Bode-Museum. Die Situation bietet auch neue Chancen.
 

Tagebuch (9)
In unserer Kirche steht in diesen Wochen eine kleine Pieta. Die sehr alte Skulptur ist aus Holz, der Wurm hat viele Gänge gebohrt und Löcher hinterlassen. Von Farbe ist kaum noch etwas zu erkennen. An mehreren Stellen ist sie geradezu zerstört: das Gesicht Jesu ist abgeschlagen – nur eine gerade Fläche ist zurückgeblieben. An seiner linken Hand fehlen die äußeren Fingerglieder und Maria hat an ihrer linken Hand keinen Daumen mehr. War es Gewalt oder Unfall? Das lässt sich wohl kaum sagen.
Eine herbe Darstellung, man kann sie kaum „schön“ nennen. Maria trägt ihren toten Sohn auf dem Schoß, mit der rechten Hand hält sie ihn – eine unmögliche Haltung: so leicht ist ein Toter nicht. Den linken Arm Jesu hält sie mit ihrer linken Hand hoch, in einer eigenartigen Haltung. Es wirkt fast, als hätte sie den Steg eines Saiteninstruments, z.B. einer Gitarre, in der Hand. Dabei schaut sie ihren Sohn nicht an, sondern von ihm weg nach oben.
Die ganze Darstellung wirkt auf mich wie ein Schrei. Ist es ein Schrei der Klage oder ein Schrei der Anklage? Und dann fällt auf: die Haltung wirkt, als wolle sie Gott, dem Vater seinen Sohn hinhalten und ihm seine Wunden zeigen. Darum hält sie die ausgestreckte Hand kaum fest, sondern dreht sie so, dass die Nagelwunde sichtbar werden muss. Der Vater soll den toten Sohn, soll ihr Leid sehen, die Not, die sie in Worten nicht mehr ausdrücken kann. All den Schmerz, die Angst und die zerstörte Hoffnung.
Ist das nun eine niederdrückende Darstellung? Ich meine nicht. Denn es gibt jemand, es gibt diesen Vater, dem wir all unsere Angst und Not hinhalten dürfen. Auch dann, wenn sie das Maß dessen übersteigt, was wir ausdrücken können. Auch dann wenn sie im Grunde kein Gesicht (mehr) hat. Wir sind mit all unseren Sorgen nicht allein. Nehmen wir unsere Not, aber auch die Not der anderen in unsere Hände, zeigen wir sie dem Vater, halten wir sie ihm hin. Es wird uns damit nicht allein lassen.

Alte Pieta mit den Spuren der Zeit