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Aktuelles

Tagebuch (42)
„Wenn du dich bekehrt hast, dann stärke deine Brüder“, sagt Jesus zu Petrus . Eigene Umkehr, wieder und immer wieder, ist die Voraussetzung dafür, dass man andere stärken kann. Leider gilt vermutlich auch das Umgekehrte: Wenn es nicht gelingt, die anderen zu stärken, fehlt es an der eigenen Bekehrung. Aber wie kehrt man um, wenn die eigenen Gewohnheiten im Älterwerden immer fester werden? Wie kehrt man um in einem so geprägt christlichen Leben wie dem unsrigen? Es gibt auch eine Verhärtung im Guten.
Es ist sicher keine gute Lösung, sich selbst immer mehr anzutreiben, dass führt nur zu Perfektionismus, eine Krankheit, die in unserer Gesellschaft sowieso schon weit verbreitet ist. Um wirklich umzukehren, muss ich lernen, barmherzig zu sein, zunächst auch mit mir selbst, nicht im Sinne von laissez-faire, sondern im Wissen um die eigene Schwäche.
 
Tagebuch (41)
Ich bin der Meinung, dass wir all denen, die in diesen Tagen Verantwortung tragen, mit großem Respekt begegnen sollten. Das gilt für unsere Politiker, für die Bistumsleitungen, für die Schul- und Universitätsleitungen und überhaupt für alle, die in der gegenwärtigen Situation Entscheidungen fällen müssen. Machen wir uns doch nichts vor, es geht in jeden Fall um 51:49- Entscheidungen. Was ich damit meine? Es geht um Entscheidungen, bei denen 51 % für etwas sprechen und 49 % dagegen, wobei man oft nicht weiß, wofür 51 % und wofür 49 % sprechen. Viele Entscheidungen werden sich hinterher als falsch herausstellen, aber nicht, weil jemand etwas Böses wollte, sondern schlicht und einfach, weil wir die Zukunft nicht kennen und trotzdem gehandelt werden muss. Dann zu sagen: „Ich habe ja gleich gesagt, man sollte...“, ist sehr billig, wenn man in der komfortablen Lage ist, nur kommentierender Zuschauer zu sein. Fair wäre es, Entscheidungen mitzutragen, schon jetzt damit zu rechnen, dass sie möglicherweise revidiert werden und bereit sein, dann auch die neue Entscheidung mitzutragen, ohne den, der die erste fällte, gleich der Unfähigkeit zu bezichtigen. Hier im Kloster erwarte ich das jedenfalls von meinen Mitschwestern, nicht nur in Coronazeiten. Nochmal: Wir kennen die Zukunft nicht, sondern müssen sie in Demut aus Gottes Hand empfangen.
 
Tagebuch (40)
Zur Zeit sind zahlreiche Menschen gezwungen, mehr zu schweigen als sonst, weil viele alltägliche Formen der Kommunikation wegfallen, gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach Kontakt und nach einem wirklichen Gespräch.
Im Mönchtum ist richtiges Schweigen und richtiges Reden immer ein wichtiges Thema gewesen. In unserer Abtei haben wir ein Dokument „Als Kirche leben. Geistliches Leben in Mariendonk“, in dem es heißt: „In der monastischen Tradition hat Schweigen einen hohen Stellenwert. Es soll zur Haltung des Hörens und der Demut führen. Das Schweigen soll Raum schaffen für die Begegnung mit dem Wort Gottes. Es eröffnet diesen Raum, weil es eine gewisse Distanz zu uns selbst schafft. Schweigen als „nicht reden“ zu definieren, würde den Begriff darum zu eng fassen. Schweigen verlangt von uns, dass wir uns selbst zurücknehmen. Wenn wir selbst nicht mehr im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stehen, können wir wacher und achtsamer auf den Anspruch des Wortes Gottes hören, das uns nicht nur in der Heiligen Schrift, der Liturgie, dem Gebet und der Lesung begegnet, sondern auch in der Kommunikation mit den Mitschwestern und den verschiedenen Situationen des Alltags und der Arbeit. Schweigen bedeutet keineswegs Verweigerung von Kommunikation.“
Schweigen ist also die Voraussetzung von Hören und damit die Voraussetzung wirklicher Kommunikation. Gespräch, das kein Gerede ist sondern wirkliche Begegnung, führt oft über die menschliche Begegnung zur Begegnung mit dem Herrn. So heißt es von den Emmausjüngern: „Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu.“ Und im Markusevangelium lesen wir: „Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie  und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf.“
 
Tagebuch (39)
„Lass dich nicht durch die Betrachtung deines Lebens in seiner Gesamtheit entmutigen! Fasse nicht alle Unannehmlichkeiten, die dir vielleicht noch begegnen könnten, nach Beschaffenheit und Menge auf einmal in Gedanken zusammen, sondern frage dich vielmehr bei jeder einzelnen, wenn sie da ist: Was ist denn daran eigentlich nicht zu ertragen und auszuhalten?...Denke ferner daran, dass weder das Zukünftige noch das Vergangene, sondern immer nur das Gegenwärtige dir lästig werden kann, des letzteren Last aber gemildert wird, wenn du erwägst, wie kurz es ist, und wenn du deiner denkenden Seele die Schwäche vorhältst, dass sie nicht einmal eine kleine Bürde aushalten könne“ (Marc Aurel).
 
Tagebuch (38)
Beim heutigen Sonntagsevangelium fühle ich mich immer wieder ertappt und erkenne, dass ich nicht klüger bin als die beiden Jünger, die nach Emmaus gingen. „Da blieben sie traurig stehen und sagten: Wir aber hatten gehofft...“.
Wie oft hoffe ich etwas und bin traurig, wenn meine Wünsche nicht erfüllt werden, seien es nun materielle Dinge oder geistige. Ich bete zwar täglich mehrmals: „Dein Wille geschehe“, hoffe aber inständig, dass alles so kommt, wie ich es erhoffe.  Gerade jetzt macht die Pandemie mir einen ziemlichen Strich durch meine Pläne und ganz vielen anderen Menschen auch.
Und was sagt Jesus dazu? Er sagt bezogen auf sich selbst: „Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?“ Man kann diesen Satz aber auch auf seinen Leib, die Kirche, beziehen: „Mußte das alles nicht so kommen?  Steht es nicht schon in der Heiligen Schrift, dass es in dieser Welt keine Leidfreiheit geben wird und dass wir alle durch den Tod hindurch müssen?“
Jesus ist diesen Weg vorangegangen - das feiern wir an Ostern - und wenn er uns das Brot bricht, dürfen wir seine Tat immer wieder sakramental begehen. Ich höre den Einwand: „Aber wir dürfen nicht Eucharistie feiern.“ Auch dann können wir ihn am Brot brechen erkennen, sei es auch am Bildschirm, und wissen, dass er für uns da ist und den Weg mit uns geht.