Zur Zeit lese ich die Bücher des israelischen Historikers Yuval Noah Harari. Sie sind sehr flüssig geschrieben, und auch wenn ich vieles etwas oberflächlich finde, so erfaßt er doch ausgezeichnet das Denken in seiner Widersprüchlichkeit. Er zeigt, wie sehr Leben und damit Gesundheit heute der höchste Wert ist, wobei unter „Leben“ dieses irdische Leben zu verstehen ist. Harari zitiert Woody Allen, der einmal gefragt wurde, ob er hoffe, auf der Kinoleinwand ewig zu leben und der darauf erwiderte: „Ich lebe lieber in meiner Wohnung“ und „Ich möchte nicht durch meine Arbeit unsterblich werden. Ich möchte unsterblich werden, indem ich nicht sterbe.“ Klingt witzig und spontan sagt jeder ja. Aber diesem Wunsch, möglichst lange und gesund zu leben, stehen auf der anderen Seite immer mehr Suizide gegenüber; das Leben kann auch sehr schwer sein. Es sterben in der Gegenwart mehr Menschen durch Suizid als durch Krieg und Kriminalität, noch gar nicht eingerechnet die langsamen Suizide durch Überernährung.
Für Christen ist das Leben auf dieser Erde ein Wert, aber nicht der höchste. Der viel höhere Wert ist die Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott - ob in diesem Leben oder in einem anderen. Wenn man daran wirklich glaubt, hat man immer noch Angst vor dem Sterben, aber letztlich nicht vor dem Tod, es gibt ihn nicht wirklich, er ist ein Tor, keine Wand.
Wer wirklich an Gott glaubt, ist zugleich davon überzeugt, dass Selbstmord unmöglich ist. Wir haben uns das Leben nicht gegeben, wir können uns auch nicht ins Nichts zurückkatapultieren.