Tagebuch (60)
Die Schriften John Henry Newmans bestechen durch Klarheit des Denkens und machen mir Mut, Dinge selbst neu zu überlegen. Vor allem sein kompromissloser Glaube, dass es keine Wahrheit geben kann, die nicht katholisch ist, d.h. die von der Kirche nicht angenommen werden kann. Von daher plädiert er für eine unbegrenzte Freiheit der Wissenschaft: Entweder etwas ist wahr, dann hat es im Glauben Platz, oder es ist Lüge, Täuschung und Irrtum, dann wird sich das früher oder später an den Früchten zeigen.
In einem sehr schönen Text macht er darauf aufmerksam, dass es eine Beziehung über Raum und Zeit hinweg mit all denen geben kann, die auf demselben Weg der Suche sind: „Wir sind nicht einsam, auch wenn es uns so vorkommt. Mögen auch wenige von denen, die jetzt leben, uns verstehen und uns recht geben, aber jene Scharen der Frühzeit, die gleich uns geglaubt, gelehrt und gebetet haben, leben jetzt bei Gott, und mit ihren vergangenen Taten und ihren gegenwärtigen Stimmen rufen sie vom Altar. Sie ermuntern uns durch ihr Beispiel und erfreuen uns durch ihre Gesellschaft; sie sind uns zur Rechten und zur Linken“ (J.H. Kardinal Newman).