Tagebuch (4)
„Und führe uns nicht in Versuchung“. Für mich selbst sehe ich im Moment vor allem die Versuchung, in Selbstmitleid zu verfallen, um mich selbst zu kreisen, zu jammern und empört zu denken, dass mir das alles doch gar nicht zustoßen darf. Verwöhnte Mitteleuropäer, die wir sind, meinen wir, wir hätten das Recht auf ein sorgenfreies, geschütztes Leben. Dabei gibt es auf der Welt - Corona-Krise hin oder her - auch noch ganz andere Sorgen:
- die Menschen in Ostafrika, die vom Hungertod bedroht sind
- die unbegleiteten Kinder in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln
- die Menschen im Jemen, in Syrien und Haiti...
Sicher, für viele von uns ist die Situation eine große Herausforderung. Üben wir uns in der Tugend der Tapferkeit!
In Mariendonk lernen wir Tag für Tag zu schauen, was dran ist. Im Moment ist unsere Paramentennäherei gefordert, denn auf Bitten einer befreundeten Ärztin werden dort nicht mehr Meßgewänder genäht, sondern Mundschutze. Manchmal kommt mir das alles wir ein Traum vor, aus dem wir gleich aufwachen werden, aber ich fürchte, es ist die Realität. Nochmal: Üben wir uns in der Tugend der Tapferkeit!