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Leben aus den Quellen: Bibel und Kirchenväter

 

Geistige Schriftauslegung Zum Sonntag Wissenschaft

 

Die wissenschaftliche Arbeit

Für alle Schwestern unserer Gemeinschaft ist es unbedingt erforderlich, daß sie sich ihren Fähigkeiten entsprechend mit theologischen Fragen beschäftigen, denn der Glaube braucht ein Fundament. Dabei ist gerade die Theologie der Kirchenväter für unser geistiges Leben prägend. Doch neben der persönlichen Beschäftigung mit theologischen Themen ist es uns auch wichtig, unsere Erkenntnisse weiterzugeben und in der Forschung mitzuwirken. 

Vieles erarbeiten wir während der stillen Zeit am Abend, die für geistige Lesung frei ist. Doch einige Schwestern können sich noch intensiver mit theologischen Arbeiten beschäftigen, und betätigen sich in einem der Projekte, die hier vorgestellt werden:

 

Biblische Gestalten bei den Kirchenvätern 

Die Altlateinische Bibel

Übersetzung von Texten der Kirchenväter

Mitarbeit am NTP = Novum Testamentum Patristicum

 

Biblische Gestalten bei den Kirchenvätern 

Die Theologie der Kirchenväter, vor allem ihr Verständnis der Bibel, soll einem weiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Vor allem das Alte Testament ist für viele Christen nur schwer zugänglich. Die Kirchenväter erklären und aktualisieren diese schwierigen Texte der Heiligen Schrift, so dass sie fruchtbar werden können für unseren Glauben 

Die Reihe „Biblische Gestalten bei den Kirchenvätern", die in unserer Abtei geplant und eröffnet wurde,  hat sich zum Ziel gesetzt, die Art und Weise, wie die großen Theologen der frühen Christenheit die Bibel lasen, vorzustellen und so zu einer geistlichen Schriftauslegung in unserer Zeit Anregungen zu geben. Zwei Bände dieser Reihe sind fertiggestellt, der erste Band gilt Abraham, dem Vater des Glaubens. Abraham hat sich ganz auf das Wort Gottes verlassen, selbst dann, wenn es ihm nicht sinnvoll erscheinen konnte. Doch sein Vertrauen wurde ihm zum Heil. Darin ist er Vorbild für jeden glaubenden Menschen. In dem Buch werden in der Form eines Kommentars die betreffenden Bibelstellen mit Hilfe der Kirchenväter ausgelegt, wobei die Kirchenväter selbst zu Wort kommen. Dabei versuchen die Autorinnen, die geistlichen Deutungen für den modernen Menschen fruchtbar zu machen.

Der zweite Band hat Adam als Thema. Er ist der erste Mensch, den Gott nach seinem Ebenbild geschaffen hat, wie er ihn wollte. Doch hat der Mensch nicht sein ganzes Vertrauen auf Gott gesetzt und wurde zum Sünder. So wurde Gott in seinem eigenen Sohn Mensch. Christus, der zweite Adam, kam in die Welt, um den Menschen zu erlösen. 

Zur Zeit sind zwei Bücher dieser Reihe in Arbeit: Mose und Samuel. Sie sollen im Jahr 2010 erscheinen. 

 

 

Die Altlateinische Bibel (Vetus Latina)

Die Vetus Latina ist die erste Übersetzung der Bibel ins Lateinische und ist etwa im dritten und vierten Jahrhundert entstanden. Die ersten Christen lasen die Bibel auf Griechisch, also das Alte Testament in der jüdischen Übersetzung des hebräischen Textes ins Griechische (Septuaginta) und das Neue Testament in seiner Ursprache. Doch schon bald wurde das Lateinische die allgemeine Umgangssprache im gesamten Mittelmeerraum, und nur noch wenige Menschen verstanden Griechisch. Aus dieser Situation ergab sich die Notwendigkeit, die Bibel ins Lateinische zu übersetzen. 

Erst ziemlich spät, nämlich im fünften Jahrhundert, übersetzte der heilige Hieronymus die gesamte Bibel ins Lateinische, wobei er für das Alte Testament den hebräischen Text als Ausgangstext verwendete. Er schuf die Vulgata, die die offizielle lateinische Bibelübersetzung der Kirche bis heute wurde.

Schon im 18. Jahrhundert entstand der erste Rekonstruktionsversuch der alten lateinischen Version der Bibel, der damals allerdings auf einer viel kleineren Textgrundlage aufbaute, als sie uns heute zur Verfügung steht. Für die Forschungsgeschichte der neuen Edition ist der evangelische Pfarrer Joseph Denk der Auslöser. Er hat mit unvorstellbarer Ausdauer die theologischen Schriften der Kirchenväter und anderer christlichen Schriftsteller der ersten Jahrhunderte durchgesehen und alle Zitate auf einigen hunderttausend Karteikarten notiert. Diese Zettelsammlung ist als Nachlaß in die Benediktinerabtei Beuron gelangt, wo man die Bedeutung dieser Sammlung bald erkannte. Pater Bonifatius Fischer war es, der in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine Möglichkeit erarbeitete, wie die vielfältigen Informationen übersichtlich in einem Buch zusammengestellt werden können. Mit der Herausgabe der Rekonstruktion des Buches Genesis begann ein Jahrhundertprojekt, das heute von einer Stiftung getragen wird und an dem ein Team von Wissenschaftlern aus aller Welt mitwirkt.

Die Arbeit an der Vetus Latina hat in Mariendonk eine lange Tradition, da Pater Bonifatius in Mariendonk Spiritual wurde und  Schwestern in seine Arbeit einbezog. Zur Zeit wird an der Rekonstruktion der Esra-Bücher gearbeitet, wobei sich viele interessante Erkenntnisse über die Geschichte des Textes machen lassen. 

Und so sieht eine Seite in der Edition der Vetus Latina aus: 

Im oberen Teil der Seite findet der Leser den eigentlichen Text der altlateinischen Bibel, wie er rekonstruiert werden konnte. Dazu wird zunächst der griechische Text als Ausgangstext der Übersetzung geboten, und in der untersten Zeile jeweils der Text der Vulgata. Dazwischen stehen die altlateinischen Texte. Im mittleren Abschnitt, dem KRITISCHEN APPARAT, werden alle Übersetzungen, sowohl die der Handschriften als auch der Zitate bei den Kirchenvätern erklärt. Die Seite wird mit dem ZEUGENAPPARAT abgeschlossen, in dem alle Zitate und Anspielungen auf den betreffenden Vers in größerem Kontext geboten werden.

 

 

Übersetzung von Texten der Kirchenväter 

Da viele der Kirchenvätertexte entweder überhaupt noch nicht ins Deutsche übersetzt sind oder die Übersetzungen schon veraltet sind, ist es schwierig, einen Zugang zur patristischen Theologie zu bekommen. Auch hier liegt eines unserer Anliegen. Daher übersetzen Schwestern lateinische oder griechische Texte, die vor allem für die biblische Theologie von Bedeutung sind. Einige Übersetzungen sind schon als Buch erschienen. Herausgegeben wurden der Römerbriefkommentar des Origenes und seine Homilien zum Buch Genesis, Exodus und Josua.

 

Mitarbeit am NTP = Novum Testamentum Patristicum

Dieses Projekt hat das Ziel, das Neue Testament in der Auslegung der Kirchenväter zu untersuchen. Zu jeder einzelnen Perikope soll die patristische Exegese zusammengestellt und die Auslegungsgeschichte verfolgt werden. Eine Schwester hat den Auftrag bekommen, vier Kapitel des Mattäusevangeliums zu bearbeiten.

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