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Leben aus den Quellen: Bibel und Kirchenväter

 

Geistige Schriftauslegung Zum Sonntag Wissenschaft

 

Hier finden Sie in jeder Woche einen Kommentar der Kirchenväter zum Evangelium des Sonntags

 

 

 18. Sonntag 

 im Jahr C

Lk 12,13-21

 

aus einer Predigt des heiligen Bischofs Petrus Chrysologus 104

Immer wenn von diesem Reichen aus dem Evangelium die Rede ist, dann klagt ihn die Stimme Gottes an: täglich, über viele Jahrhunderte und auf der ganzen Welt. Sie vertreibt die trügerische Hoffnung des Reichtums, sie löscht die wütende Flamme der Begierden, sie mildert die verrückte Besessenheit der Habgier. Doch seine Überfülle macht den elenden Reichen unfruchtbar, sein Überfluss macht ihn ängstlich, sein Vorrat macht ihn unmenschlich, und sein Reichtum bettelarm. Er schloss ein und häufte auf engem Raum zusammen, was das Land reichlich her gab. „Er dachte", heißt es, „bei sich: Was soll ich tun?" Wer ist es, den er da nach seiner Meinung fragt? In seinem Innern war jemand: der Teufel hatte von ihm Besitz ergriffen. „Ich will meine Scheunen abreißen," sagt er. Ganz deutlich tritt hervor, wer da verborgen ist. Denn der Feind beginnt immer mit der Zerstörung. Du unglücklicher Reicher, von der Gegenwart weißt du gar nichts, und du redest dummes Zeug über die Zukunft. Die Türketten an deinen Scheunen legen sich um den Hals der Armen, und darum begleitet dich überall, vor dir und hinter dir, das Stöhnen der Armen, und die Klage der Bittenden bedrängt dich. So wird dir vom Richter die ganze Strafe zugesprochen, denn indem du anderen den Zutritt verweigerst, hast du die Türen deiner Scheunen für dich selbst verschlossen.

„Du Narr, noch in dieser Nacht fordert man dein Leben von dir." Das Leben der Gottlosen fordern die Knechte der Unterwelt und ziehen es an sich, doch das Leben der Heiligen fordert Gott, und er führt es zurück. Du Reicher, sei also wachsam für das gute Werk, damit deine Hand nicht leer ist für die Armen, sondern immer gefüllt. Denn je großzügiger ein Reicher spendet, desto größer ist sein Reichtum. Sei reich an Barmherzigkeit, dann werden deine Scheunen größer und voller!

 

aus dem Kommentar des heiligen Bischofs Ambrosius zum Lukasevangelium 7

Im Evangelium heißt es: „Da sprach einer aus der Menge: Meister, sag meinem Bruder, dass er die Erbschaft mit mir teilen soll! Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler bei euch gemacht?"

Dieser Vorfall soll eine Aufforderung sein, dass wir das Bekenntnis zum Leiden des Herrn auf uns nehmen, sei es, dass wir es aus Todesverachtung tun, sei es aus Hoffnung auf Lohn, sei es auf die Androhung einer ewigen Strafe hin, die niemals nachgelassen wird. Oft stellt ja die Habsucht der Tugend ein Bein, deshalb wird hier die Habsucht, dieses große Übel, verboten. Danach folgt ein Gleichnis.

Der Herr fragt ja: „Wer hat mich zum Richter oder Erbteiler bei euch gemacht?" Er lehnt das Irdische ganz zu Recht ab, denn er ist ja um des Göttlichen willen zu uns herab gekommen. Deshalb lässt er sich nicht dazu herab, über Streitigkeiten zu richten und Schlichter in Vermögensangelegenheiten zu sein. Denn seine Sache ist die letztgültige Entscheidung über Lohn und Strafe, seine Sache ist das Gericht über die Lebenden und die Toten. Wenn du also etwas erbittest, dann bedenke, was für eine Sache es ist, um die du bittest, und vor allem, von wem du sie erbittest.

Aus dem Gleichnis vom reichen Mann, der sich neue Scheunen baute, lernen wir, dass wir nicht nach Geld als Erbe streben sollen, sondern nach der Unsterblichkeit. Wenn man nämlich Schätze hortet und gar nicht weiß, ob man je Nutzen von ihnen haben wird, dann hortet man umsonst. So ist es mit dem, der neue Kornspeicher für die überreiche Ernte bauen ließ, als seine Scheunen für den Ertrag der Ernte zu klein wurden. Er wusste dabei nicht, für wen er eigentlich hortete. Alles, was der Welt gehört, bleibt ja in der Welt zurück; und was für die Erben gesammelt wird, geht an uns vorüber. Was wir nicht mitnehmen können, ist nicht unser eigen. Nur die Tugend gibt den Toten das Geleit, nur die Barmherzigkeit folgt uns; sie führt uns zum Himmel und bahnt uns den Weg zu den himmlischen Wohnungen; sie besorgt nach dem Tod ewige Zelte mit dem Ertrag aus dem vergänglichen Geld. So bezeugen es die Weisungen des Herrn, der uns ermahnt: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Reichtum, damit sie euch in ihre ewigen Zelte aufnehmen!" Dies ist eine gute und heilsame Weisung, sie kann bewirken, dass selbst habsüchtige Leute das Vergängliche mit dem Unvergänglichen, das Irdische mit dem Göttlichen vertauschen.