Abtei Mariendonk

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Abtei Mariendonk | Kirchenvätertexte | Kommentar zum Sonntagsevangelium
Väterlesungen
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6. Sonntag der Osterzeit (B)

aus dem Kommentar des heiligen Bischofs Augustinus zum Johannesevangelium (82,2f)

Wie mich der Vater geliebt hat", sagt der Herr, „so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!" Woher kommen unsre guten Werke? Wir können sie nur tun, weil der Glaube sie durch die Liebe wirkt. Und wie könnten wir lieben, wenn wir nicht zuvor geliebt würden? Das sagt der Evangelist Johannes ganz deutlich in seinem Brief: „Lasst uns Gott lieben, denn er hat uns zuerst geliebt!"

Der Herr sagt also: „Bleibt in meiner Liebe!" Und er erklärt uns auch, wie wir in ihr bleiben. Er sagt: „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben." Vielleicht könnten wir fragen, ob die Liebe dazu führt, dass wir die Gebote halten, oder ob das Halten der Gebote die Liebe bewirkt. Es gibt jedoch keinen Zweifel, dass die Liebe stets vorausgeht. Denn wer nicht liebt, dem fehlt überhaupt die Möglichkeit, die Gebote zu halten.

Indem Christus also sagt: „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben," zeigt er uns, wie sich die Liebe offenbart. Er könnte genauso gut sagen: „Denkt nicht, dass ihr in meiner Liebe bleibt, wenn ihr meine Gebote nicht haltet. Nur, wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben."

„Bleibt in meiner Liebe" bedeutet also nichts anderes als: „Bleibt in meiner Gnade!" Und wenn es heißt: „Wenn ihr meine Gebote halten werdet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben", bedeutet das nichts anderes als: „Indem ihr meine Gebote haltet, werdet ihr erkennen, dass ihr in meiner Liebe, mit der ich euch liebe, bleiben werdet." Wir halten seine Gebote also nicht, damit er uns liebt, denn wenn er uns nicht lieben würde, könnten wir seine Gebote überhaupt nicht halten. Das ist die Gnade, die den Demütigen offenbar, den Hochmütigen aber verborgen ist.

 
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Kartage und Ostern 2012

aus einer Predigt des Pseudo-Epiphanius

Der Herr trat ein in die Unterwelt mit dem Kreuz als Siegeswaffe. Und als Adam, der Urvater, ihn erblickte, schlug er sich staunend an die Brust und rief den anderen zu: Mein Herr sei mit euch allen! Christus antwortete und sagte zu Adam: Und mit deinem Geiste! Und er ergriff seine Hand und sprach: „Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten!" Ich bin dein Gott, und um deinetwillen bin ich dein Sohn geworden.

Deinetwegen und derer wegen, die von dir abstammen, sage ich nun und gebiete mit Macht denen, die in Fesseln waren: Richtet euch auf!, und denen in der Finsternis: Lasst euch erleuchten!, und den Schlafenden: Steht auf! Dir gebiete ich: Wach auf, du Schläfer! Ich habe dich doch nicht dazu geschaffen, dass du in der Unterwelt gefesselt bleibst. Steh auf von den Toten, ich bin das Leben der Toten. Steh auf, du Werk meiner Hände, steh auf, du meine Gestalt, nach meinem Bild und Gleichnis geschaffen. Steh auf und lass uns von hier wegziehen, denn du bist ja in mir, und wir beide zusammen bilden eine einzige und untrennbare Person. Um deinetwillen wurde ich, dein Gott, zu deinem Sohn. Um deinetwillen nahm ich, der Herr, Sklavengestalt an. Um deinetwillen stieg ich, der ich über allen Himmeln wohne, herab auf die Erde und unter die Erde. Für dich, den Menschen, wurde ich wie ein hilfloser Mensch, frei unter den Toten. Für dich, der du den Garten verließest, wurde ich im Garten den Juden ausgeliefert und im Garten gekreuzigt.

Schau auf meinem Gesicht den Geifer, mit dem ich um deinetwillen bespuckt wurde, um dich an den früheren Ort der Freude zurück zu versetzen. Schau auf meinen Wangen die Spuren der Schläge, die ich ertrug, um dein zerstörtes Aussehen nach meinem Ebenbild wieder herzustellen. Schau auf meinem Rücken die Striemen der Geißelung, die ich hinnahm, um dir die Last deiner Sünden abzunehmen, die deinem Rücken aufgebürdet ist. Schau meine Hände, die sich als gerechte ans Holz nageln ließen um deinetwillen, der du deine Hände in Ungerechtigkeit nach dem Holz ausgestreckt hast. Schau meine Füße, die ans Holz angenagelt und durchbohrt wurden um deiner Füße willen, die in böser Absicht am sechsten Tag zum Holz des Ungehorsams hin liefen. An diesem Tag wurde sowohl das Urteil über dich gefällt als auch deine Wiederherstellung und die Öffnung des Paradieses durch mein Werk vollendet.

Galle habe ich um deinetwillen getrunken, um dich zu heilen von der bitteren Lust, die du durch jene süße Speise genossen hast. Essig habe ich gekostet und den Trank, der der Natur zuwider ist, um die Schärfe deines Todes zu vernichten. Den Schwamm habe ich genommen, um den Schuldschein deiner Sünde auszulöschen. Das Rohr habe ich genommen, um dem Menschengeschlecht den Freiheitsbrief zu unterschreiben. Ich entschlief am Kreuz, und die Lanze durchbohrte meine Seite um deinetwillen, der du im Paradies schliefest und Eva aus deiner Seite entließest. Meine Seite heilte den Schmerz deiner Seite, und mein Schlummer führt dich nun aus dem Schlaf der Hölle hinaus. Mein Schwert bannt das gegen dich gezückte Schwert. So steh denn auf und lass uns von hier wegziehen.

Der Feind entführte dich einst aus dem irdischen Paradies. Ich aber will dich nicht mehr ins Paradies, sondern auf einen himmlischen Thron setzen. Ich verbot dir einst den Baum des Lebens, der nur ein Gleichnis war. Aber sieh, nun bin ich selbst dir vereint als das Leben. Ich stellte Cherubim auf, um dich, wie es sich für einen Knecht ziemt, zu bewachen. Ich mache nun, dass Cherubim dich, wie es sich für einen Gott ziemt, verehren. Einst verbargst du dich nackt vor Gott, nun aber hast du den nackten Gott in dir selber geborgen. Du zogst das Kleid aus Fellen der Schande an. Ich aber, dein Gott, zog das blutige Kleid deines Fleisches an.

Darum brecht auf, lasst uns von hier wegziehen, vom Tod zum Leben, von der Verwesung zur Unverweslichkeit, von der Finsternis ins ewige Licht. Steht auf, lasst uns aufbrechen vom Schmerz zur Freude, von der Knechtschaft zur Freiheit, vom Kerker ins himmlische Jerusalem, aus den Fesseln in die Freiheit, von der Gefangenschaft in die Freude des Paradieses, von der Erde zum Himmel. Denn dazu bin ich gestorben und auferstanden, um zu herrschen über die Lebenden und die Toten.

Lasst uns aufbrechen und von hier wegziehen, denn mein himmlischer Vater wartet auf das verlorene Schaf. Die neunundneunzig Schafe der Engel harren auf ihren Mitknecht Adam: Wann er wohl aufsteht, wann er wohl auffährt und heimkehrt zu Gott? Ein Cherubimthron ist bereit, die Träger stehen und warten, das Hochzeitsgemach ist hergerichtet, die Speisen sind zubereitet, die ewigen Zelte und Wohnungen sind gerüstet, die Schätze alles Guten sind aufgetan, das Himmelreich ist vor allen Zeiten für euch bereitet. Was kein Auge je gesehen, kein Ohr gehört und was in keines Menschen Herz emporstieg: diese Güter erwarten den Menschen.

Da der Herr dies und Ähnliches sagte, erhob er sich mit Adam, der mit ihm vereint war. Gleichzeitig erhob sich auch Eva, und viele Leiber, die seit langem gläubig entschlafen waren, standen auf und verkündeten die Auferstehung des Herrn nach drei Tagen. Mit welcher Freude, ihr Gläubigen, wollen wir Christus aufnehmen, ihn schauen und umarmen, mit den Engeln Chöre anführen, mit den himmlischen Geistern ein Fest feiern und Christus Ehre darbringen, der uns aus dem Verderben herausholte und uns das ewige Leben schenkte. Ihm ist die Ehre und die Herrschaft mit dem Vater, der keinen Anfang hat, und seinem heiligsten, überaus guten und lebenspendenden Geist: jetzt und immer und in die Ewigkeit. Amen.

 



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