Theologische Texte

Hier finden Sie Texte zu theologischen Themen, die von Schwestern der Abtei Mariendonk verfasst wurden und von anderen Autoren, deren Texte wir hier freundlicherweise veröffentlichen dürfen.

 

Die Erneuerung des Ordenslebens nach dem Vaticanum II in der Abtei Mariendonk

von Sr. Dr. Thereisa Heither, Abtei Mareindonk

Das Dekret „Perfectae caritatis" verlangte als Realisierung der Konzilsbestrebungen eine „zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens". In der Abtei Mariendonk vollzog sich diese Erneuerung in einem längeren Prozeß, der bis heute andauert. Er kam hinzu zu dem Prozeß der Umstellung vom Institut der Ewigen Anbetung zur benediktinischen Abtei, der allerdings schon weitgehend vollzogen war. Er hatte schon viele Änderungen des täglichen Lebens mit sich gebracht, und deshalb war die Erneuerung, die nach dem Konzil angesagt war, ganz organisch und folgerichtig und wurde bereitwillig angenommen.

Essay von Herrn Jochen Maaz, April 2015

Opfer oder Erlöser? - Gedanken zur Opfertheologie

Im kirchlichen Sprachgebrauch wird Jesu Tod am Kreuz häufig als „Opfer" bezeichnet. Jesus ist das „Opferlamm". Jesus opfert sich, um die „Sünden der Welt" hinwegzunehmen.

Wenn man an die heidnischen Opferkulte denkt, dann brachten die Menschen damals den Göttern Opfer dar, um sie gnädig zu stimmen. Die Menschen hatten wohl immer irgendwie das Gefühl, mit ihrem Tun und Handeln möglicherweise ihren Gott oder ihre Götter zu beleidigen. Ein permanentes Schuldgefühl verlangte danach, mit Opfern den Göttern Genugtuung für den eigenen oder kollektiven Verstoß gegen deren Willen zu leisten. Auch konnten die menschlichen Werke und ihr Glanz möglicherweise den Neid der Götter erregen, der dann mit Opfern besänftigt werden musste.

Vortrag von Äbtissin Sr. Dr Christiana Reemts OSB anlässlich der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2014

Die Feier der Eucharistie und die Leitung der Kirche

Sehr geehrte Bischöfe, sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe die große Ehre, heute morgen zu Ihnen über die Feier der Eucharistie zu sprechen. Ich kann Ihnen sicher nichts wirklich Neues sagen, aber ich will versuchen, einige Punkte anzusprechen, die mir im Zusammenhang mit unserem Dokument wichtig zu sein scheinen.

1. Eucharistie als Aktualisierung der Taufberufung

Wir Christen leben aus dem Ruf, der in der Taufe an uns ergangen ist. Dieser Ruf ist ein Ruf zur Heiligkeit, nicht zu einer moralischen Heiligkeit, die wir aus eigener Kraft verwirklichen könnten, sondern zu der von Gott geschenkten Heiligkeit der Kinder Gottes. Um es anders auszudrücken: die Taufe beruft uns zum Leben in Christus und schenkt uns als Glieder an seinem Leib zugleich die Möglichkeit, uns mit den Gaben, die der Geist in uns wirkt, in diesen Leib einzubringen. Wir sind nicht nur passive Empfänger der Wohltaten Gottes, sondern durch seine größte Gabe, die Freiheit, berufen, mitzuwirken an der Erlösung der Welt. Darin besteht unsere Würde und unser Auftrag.