Geschichte der Abtei Mariendonk 

Die Gründung des Klosters Mariendonk an der Grenze der Kreise Viersen und Kleve ist eng mit der allgemeinen Geschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts verbunden. Für die Klöster war vor allem das "Gesetz, betreffend die geistlichen Orden und ordensähnlichen Kongregationen der katholischen Kirche" von 1875 entscheidend, denn in ihm wurden alle Klöster in Preußen aufgelöst, mit Ausnahme derer, die sich der Krankenpflege widmeten. Als Begründung hieß es in dem Gesetzestext, "dass dieses zahlreiche, der Lenkung der Kurie und des Episkopates willenlos preisgegebene Personal zu einer staatsfeindlichen Einwirkung auf die ihm weit und breit zugängliche Masse der katholischen Bevölkerung benutzt wird." Die Ausweisung betraf auch die Bonner "Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung", die später zu den Gründungsmüttern Mariendonks werden sollten.

Nach der Ausweisung aus Deutschland zog diese Gemeinschaft mit 30 Schwestern nach Driebergen in Holland. Das neue Kloster erhielt den Namen "Arca Pacis" (Friedensarche). Es hatte große Anziehungskraft auf junge Frauen (zunächst vor allem aus Deutschland, dann auch aus Holland) und wuchs so schnell, dass schon 1888 eine Gruppe Schwestern nach Bonn zurückkehrte, sobald die politischen Verhältnisse es wieder zuließen. Zehn Jahre später wurde der Platzmangel erneut so drückend, dass man 1898 begann, an die Gründung eines weiteren Klosters zu denken.

In dieser Situation erfuhren die Schwestern, dass Frau Johanna Stieger (1848-1904) in der Nähe von Kempen bereit sei, ein Grundstück sowie Geld zum Bau eines Klosters zu schenken. Frau Stieger lebte mit ihrem ebenfalls unverheirateten Bruder Franz Xaver (1846-1901) auf der Neersdommer Mühle bei Kempen. Die Familie hatte im Zuge der napoleonischen Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts ehemals kurkölnischen Kirchenbesitz erworben und war dadurch zu Vermögen gekommen. Für Frau Stieger war es ein Anliegen, vor ihrem Tod der Kirche einen Teil ihres Vermögens zu überlassen. Dazu bot sich der Bau eines Klosters an.

Die Drieberger Schwestern und Frau Stieger wurden schnell einig, und der zuständige Bischof von Münster gab am 11.10 1898 die Erlaubnis zum Bau eines Klosters, vorausgesetzt, die finanzielle Lage der neuen Gemeinschaft sei gesichert. Auch staatliche Stellen mussten ihre Zustimmung zur Errichtung des neuen Klosters geben. Entsprechende Nachfragen ergaben offenbar, dass die Schwestern nicht vom Betteln zu leben gedachten, woraufhin die Gründung mit der Bedingung, dass die Kapelle auch von außen für Fremde zugänglich sein musste und der Gottesdienst also Öffentlichkeitscharakter hatte, genehmigt wurde.

Das von Frau Stieger gestiftete und für den Neubau vorgesehene Grundstück war völlig abgelegen und verkehrstechnisch in keiner Weise erschlossen, das Klostergrundstück befand sich auf freiem Feld. Wie die Schwestern unter diesen Bedingungen eingezogen sind, ja schon wie der Bau vonstatten ging, wissen wir nicht genau, nur ahnen kann man die Schwierigkeiten.

Am 8.5.1899 erfolgte der erste Spatenstich durch Herrn Xaver Stieger und Frau Johanna Stieger, schon am 16.7.1899 fand die Grundsteinlegung für die Kirche statt. Am 26.9.1900 kamen die ersten vier Schwestern aus Driebergen nach Kempen, um als eine Art Vortrupp das Haus für die nachfolgende Gruppe bewohnbar zu machen. Am 23.10.1900 kam dann die neue Priorin, Mutter Ursula Kleberg, mit den übrigen Schwestern von Arca Pacis in Driebergen. Insgesamt waren es mit der Priorin 23 Schwestern. Am Mittwoch, dem 24.Oktober, fand in der Kirche die erste Heilige Messe statt, zu der sich auch die Leute der Umgebung einfanden.

Es zeigte sich schon bald, dass sowohl die geistlichen als auch die materiellen Voraussetzungen für ein wirkliches Klosterleben erst noch zu schaffen waren. Ein großes Problem war die Seelsorge in dem Frauenkloster. Der Bischof von Münster schickte hin und wieder kränkliche Priester zur Aushilfe, konnte die Gemeinschaft aber nicht auf Dauer mit einem Geistlichen versehen. Die Gründung eines Männerklosters in der Nähe erschien daher sowohl Frau Stieger als auch den Schwestern als die einzige Möglichkeit, diesem Problem zu begegnen. Es geschah auf den ausdrücklichen Wunsch der Schwestern, dass Frau Stieger in ihrem Testament den größten Teil ihres Vermögens nicht den Schwestern zuwandte, sondern der Erzabtei Beuron/Hohenzollern vermachte mit der Auflage, ein Kloster zu errichten und die Seelsorge für das Frauenkloster und die Landbevölkerung zu übernehmen. Die Abtei Beuron errichtete auf dem nahe gelegenen Heumischhof das Priorat St. Maria, die Gründung eines selbständigen Männerklosters erfolgte jedoch nie. Dennoch waren damit für die Gemeinschaft von Mariendonk die Weichen gestellt für eine fast hundert Jahre dauernde Verbindung mit Beuron, denn von 1905-1997 hatte Mariendonk Beuroner Patres als Spirituale (Seelsorger).

Durch das geringe Vermögen war das materielle Überleben der Gemeinschaft zu Beginn in keiner Weise gesichert. Um eine materielle Grundlage zu schaffen und die Ernährung der Gemeinschaft zu sichern, wurde in Mariendonk bald mit dem Aufbau einer kleinen Landwirtschaft begonnen. Von 1908-1917 hat die Landwirtschaft sehr zum Unterhalt des Klosters beigetragen. Die Stickerei, die die Schwestern auch betrieben, brachte nur gelegentlich Einnahmen, und die Hostienbäckerei begann erst 1914 langsam.

Über den ersten Weltkrieg 1914-1918 findet sich in der Klosterchronik nur wenig. Am Ende des ersten Weltkrieges lebten etwa 40 Schwestern in Mariendonk. Die Gründungspriorin, Mutter Ursula Kleberg, führte nach wie vor die Gemeinschaft. Auch wenn sie fast ständig krank war, muss sie als eine ungewöhnlich starke, energische Frau, die von ihren Mitschwestern sehr verehrt wurde, die Gemeinschaft gut geleitet haben. Als sie 1918 starb, hatte sich die Gemeinschaft von Mariendonk innerlich gefestigt und war in der Umgebung verwurzelt.

1934 wurde Sr. Scholastika (1885-1952) zur Priorin gewählt. Sie musste ihre Mitschwestern durch die von großer Armut und Hunger geprägten Jahre des 2. Weltkriegs führen. Unter der Auflage, für das Militär Näh- und Stickarbeiten zu übernehmen, wurde das Kloster nicht geschlossen, jedoch wurden größere Bereiche des Hauses zu Soldaten- und später zu Flüchtlingsunterkünften erklärt. Auch ausgebombte Nachbarsfamilien fanden hier Zuflucht.

1946 fand die Wahl von Sr. Felicitas (1909-1989) zur Priorin statt. Sie konnte auf Wunsch des Konventes und nach gemeinsamer gründlicher Vorbereitung durch den Spiritual P. Dr. Hermann Keller (1905-1970, Spiritual von 1946-1970) die Rückführung von einem Kloster der ewigen Anbetung zur altmonastischen Form einer Abtei vollziehen. 1948 erfolgte die Bestätigung der neuen Konstitutionen durch Rom und die offizielle Erhebung zur Abtei. Am 24. Juni wurde die bisherige Priorin Mutter Felicitas zur ersten Äbtissin geweiht.

Am 24. Oktober 1950 erfolgte die Weihe der inzwischen umgebauten, jetzt der Öffentlichkeit zugänglichen Kirche sowie Benedizierung (Segnung) der ebenfalls umgebauten Krypta.

Ab 1953 begannen die Schwestern mit der eigenen landwirtschaftlichen Bearbeitung der zur Abtei gehörenden Felder; zwei Schwestern wurden zu Landwirtschaftsmeisterinnen ausgebildet, die gemeinsam mit Pater Hermann Keller OSB, dem die Unabhängigkeit des Konventes ein großes Anliegen war, weitere Schwestern anleiteten. Erst 1993 musste die Landwirtschaft eingestellt werden, da die Arbeit von den Schwestern nicht mehr zu leisten war. Geblieben ist der Obst- und Gemüseanbau für den eigenen Bedarf.

1961 war die Errichtung des dringend notwendigen Neubaus mit Bibliothek, Gästezimmern sowie Arbeitsräumen für die Stickerei und der als neuen Arbeitsbereich hinzugekommenen Weberei beendet. Im Neubau gab es nun auch mehr Platz für die wissenschaftliche Arbeit an der altlateinischen Bibel, der sogenannten Vetus Latina.

Die erst durch das II. Vatikanum kirchenrechtlich mögliche volle Eingliederung der Laienschwestern in den Konvent wurde 1968 vollzogen; die Aufhebung der Trennung von Laien- und Chorschwestern war jedoch bereits seit langem ein Wunsch eines großen Teiles des Konventes.

1982 wurde nach dem altersbedingten Rücktritt von Mutter Felicitas Sr. Luitgardis Hecker (geb. 1935) zur Äbtissin geweiht. 1984 wurde unter ihrer Leitung die Gästekapelle umgestaltet, so dass Gäste nun gemeinsam mit dem Konvent an der Eucharistiefeier und dem Chorgebet teilnehmen können.

Nach der erste Promotion einer Mariendonker Schwester im Fach Theologie (Kirchengeschichte) und bedingt durch die schwere Erkrankung und den späteren Tod des letzten Spirituals P. Bonifatius Fischer OSB (1915-1997) übernahmen die Schwestern mehr und mehr die Aufgabe der theologischen Wissensvermittlung selbst; es finden konventinterne Weiterbildungen statt, um dem großen Bedürfnis der Schwestern nach geistiger und spiritueller Weiterentwicklung zu entsprechen, und es werden Vorträge, Bibelgespräche und Exerzitien für Gäste angeboten.

2005 trat Mutter Luitgardis aus Altersgründen als Äbtissin zurück; im Juli wurde ihre Nachfolgerin, Mutter Christiana, Dr. theol. (geb. 1957), zur Äbtissin geweiht. 2017 besteht der Konvent aus 27 Schwestern mit ewiger Profess und einer Postulantin.