Benediktinerin sein

Unsere Gemeinschaft wurde 1900 von Holland aus gegründet und 1948 zur Abtei erhoben. Mehr über die Geschichte der Abtei können Sie hier nachlesen: Geschichte der Abtei

Zur Zeit leben in Mariendonk 30 Schwestern im Alter zwischen 30 und 92 Jahren.

Die Regel des hl. Benedikt (480-547/48) ist die Grundlage unseres gemeinschaftlichen Lebens. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, wie wir am Beginn des 21. Jahrhunderts diesen Text von der Schwelle zwischen Antike und europäischem Mittelalter auf unser heutiges Leben beziehen und wie wir unser Leben nach diesem Text ausrichten, lesen Sie bitte hier weiter: Leben nach der Regel des Hl. BenediktBenediktinisches Klosterleben im 21. Jahrhundert

Die lebenslange Gebundenheit an einen Ort und an eine konkrete Gemeinschaft. Das bedeutet für uns, dass wir Tag für Tag am Leben der Gemeinschaft teilnehmen und auch unsere zwei Wochen Ferien im Jahr gemeinsam in Mariendonk verbringen. Beständigkeit verstehen wir als äußerlich sicht- und greifbares Zeichen der Treue und Entschiedenheit zur frei gewählten Lebensform. Sie ist Zeichen von Kontinuität in einer immer haltloseren Welt und eine Möglichkeit, zu größerer innerer Freiheit und Beweglichkeit zu kommen. Gleichzeitig verhindert die Beständigkeit, sich selbst und den auftretenden Problemen auszuweichen. 

Die Abgeschlossenheit des klösterlichen Lebensraumes nach außen. Das erscheint vielen zunächst als massive Einschränkung, "hinter Klostermauern" weckt Assoziationen zu "hinter Gefängnismauern". Die Abgrenzung des Klosterbereiches sowie die Regelungen des persönlichen Kontaktes nach außen machen ein Kloster jedoch weder zu einem Gefängnis noch zu einer Oase des Rückzuges von der Wirklichkeit. Wohl aber entsteht ein Lebensraum, der frei von Ablenkung und Reizüberflutung ist und so die Konzentration auf die Suche nach Gott im Wort der Schrift ermöglicht.

Das eigene Sprechen zurücknehmen, um intensiv auf Gott zu hören. Unser Schweigen stellt das Hören in den Vordergrund und soll uns ermöglichen, während des gesamten Tages konzentriert zu bleiben auf Gott hin, es soll helfen, nicht ständig gegen Ablenkungen angehen zu müssen, sich - je nach Art der Arbeit - auch außerhalb der Zeiten für Lesung und Gebet innerlich weiter mit Gottes Wort beschäftigen zu können. Schweigen ist auch Respekt vor der Privatsphäre der anderen, denn es bedeutet, die eigenen spontanen Ideen, Gedanken oder Launen nicht in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen, sie nicht für das in diesem Moment absolut Wichtigste zu halten, sondern der anderen Raum und Zeit für ihre Konzentration und ihre Überlegungen zu lassen. Gerade weil wir das Schweigen schätzen, lernen wir auch die Bedeutung und den großen Wert eines guten Gespräches, eines anregenden Vortrages oder auch einfach einer Stunde der Unterhaltung neu und tiefer kennen. Die Bedeutung, die wir einem Gespräch beimessen, der vollen Aufmerksamkeit, die wir dabei der anderen schenken wollen, sowie der Respekt, den wir für ihre Zeit und ihre Aufmerksamkeit uns gegenüber haben, ist ebenfalls durch unser sonstiges Schweigen geprägt.

Klösterliche Armut meint in erster Linie Verzicht auf Privatbesitz und gleichzeitig Dankbarkeit für den Reichtum, den Gott uns schenkt. Alles im Kloster ist Geschenk der Gemeinschaft, d.h. keine Schwester verfügt über eigenes Geld, auch Dinge für den persönlichen Gebrauch werden nicht selbst eingekauft, sondern von der Gemeinschaft erbeten. Die Freiheit, die aus dem Loslassen von Besitz und Haben-wollen entsteht, hilft uns verantwortlich mit Dingen und Ressourcen umzugehen. So folgen wir Jesus und ahmen das Vorbild der christlichen Urgemeinde nach, in der die Gläubigen alles teilten, was sie besaßen.

In jedem Leben stellt sich die Frage: Wem gehorche ich? Dem, was mir die Medien suggerieren, dem was "in" ist, dem Druck meiner Familie und Freunde, mir selbst, meinen Launen? Für uns heißt Gehorsam, wirklich zu hören und wahrzunehmen, dass die Welt sich nicht um mich dreht, sondern um den dreifaltigen Gott. Christus ist unser Vorbild, dessen Speise es war, den Willen Gottes zu tun und der gehorsam bis zum Tod am Kreuz wurde. Das Kreisen um mich selbst loszulassen, bedeutet, wenn es in die Größe und Weite Gottes hinein geschieht, eine große Freiheit.

Demut ist ein unmoderner Begriff, bei dem es wie beim Gehorsam um die Frage geht: Wo stehe ich? Für Benedikt ist in der Nachfolge Christi die unterste Stelle, d.h. der radikale Dienst anzustreben. In Christus hat sich Gott nicht nur zu uns herabgebeugt, sondern sich auch an unsere Seite gestellt. Er ist Mensch geworden, nicht mit weltlicher Macht ausgestattet, nicht als menschlicher Herrscher, sondern indem er sich klein gemacht hat, damit wir durch ihn groß werden können als Kinder Gottes. So verstanden ist Demut keine Schönfärberei eigener Machtlosigkeit, sondern Ergebnis einer wirklich selbstbestimmten Orientierung am Vorbild Christi. Es ist keine Haltung der Unterwürfigkeit, sondern eine Haltung, die den Blick frei macht auf Gott und durch ihn auf die anderen. Dabei ist Demut für Benedikt keine Tugend, die erworben werden kann, keine Verwirklichung von hochgespannten Idealen, zum Beispiel durch die in einigen Frömmigkeitsformen früher praktizierten "Demutsübungen"; Demut ist eine Erfahrung, in die wir hineinwachsen aus dem Erleben der eigenen Schwachheit und Bedürftigkeit. Damit eröffnet sich uns die Chance, all unsere Erbärmlichkeiten der Barmherzigkeit Gottes zu übergeben und ihn zu bitten, unsere leeren Hände mit seiner Liebe und Gnade zu füllen.

bedeutet körperliche und geistige Ganzhingabe, vollkommene Konzentration und Aufnahmebereitschaft für Gottes Wort und seine Liebe. Jungfräulichkeit und Keuschheit sind in unserer Zeit sehr missverständliche Begriffe, die Vorurteile wecken wie das der Flucht ins Kloster aus enttäuschter Liebe oder der erzwungenen Ehelosigkeit, "weil die eh keinen Mann abkriegt". Von unserer Realität, so unterschiedlich das Leben der einzelnen vor dem Kloster auch aussah, ist das jedoch weit entfernt. Der Verzicht auf eine Liebesbeziehung zu einem einzigen Menschen kann, wenn es kein erzwungener, bitterer Verzicht ist, sondern eine frei und bewusst getroffene Entscheidung, all unsere Kräfte bündeln, um Gott zu lieben, von dem wir wissen, dass er uns zuerst geliebt hat.. Diese Liebe zu Gott suchen wir als Frauen, die sich ihres Frauseins bewusst sind und die in Freiheit auf Partnerschaft, gelebte Sexualität und Kinder verzichtet haben. Keuschheit ist für uns auch ein ehrfurchtsvoller Umgang miteinander, der unseren ganzen Lebensstil prägen soll, und die achtsame und respektvolle Distanz, die für ein lebenslanges, tagtägliches Zusammenleben mit so vielen auf so engem Raum notwendig ist.